Alternative für Deutschland : Hans-Olaf Henkel: Aus der Wirtschaft in die AfD

Ex-BDI-Chef Henkel will bei Europawahl antreten. Die AfD sieht er als "liberalste aller Parteien". Parteichef Bernd Lucke allerdings gefällt diese Wortwahl nicht ganz.

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Für Bernd Lucke war die Situation wohl etwas ungewohnt. Zum ersten Mal konzentrierten sich bei einer Pressekonferenz der „Alternative für Deutschland“ (AfD) nicht mehr alle Blicke auf ihn, den Parteichef. Am Dienstag saß neben Lucke auch Hans-Olaf Henkel vor der Hauptstadtpresse, der ehemalige Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie. Erst vor ein paar Tagen war Henkel in die AfD eingetreten. Wochenlang hatte er mit einem Bekenntnis zu der Euro-kritischen Partei auf sich warten lassen.

Dafür war Henkels Auftritt dann umso prägnanter. Er habe sich ein paar Fragen selbst mitgebracht, teilte er den Journalisten zunächst einmal mit. Um dann erst auf Nachfrage hin mitzuteilen, dass er sich zwar „keine Parteikarriere“ vorstellen könne, aber doch an prominenter Stelle für die AfD bei der Europawahl antreten wolle.

Jahrelang habe er von der „Seitenlinie“ aus versucht, auf die „verhängnisvollen Konsequenzen des Euro hinzuweisen“, sagte Henkel. Doch Diskussionen über den „Einheitseuro“ würden in Deutschland mittlerweile als „politisch inkorrekt“ eingestuft. Normalerweise würden Politiker in die Wirtschaft wechseln, jetzt sei er als „eine Art Geisterfahrer“ in der anderen Richtung unterwegs. Wegen seines Engagements für die AfD habe er auch seine bisherigen Aufsichtsratsmandate niedergelegt.

Mit dem Beitritt zur AfD habe er sich vor allem deshalb Zeit gelassen, weil ihn die „negativen Schlagzeilen“ über die neue Partei beschäftigt hätten. Doch beim Besuch von AfD-Veranstaltungen habe er feststellen können, dass das Bildungsniveau der Parteimitglieder „meilenweit“ über dem Durchschnitt der Bevölkerung liege.
Henkel bescheinigte der AfD auch, sie gehe konsequent gegen „rechtsextremistische oder rechtspopulistische Tendenzen vor“.

Wie sich Henkel und Lucke die Arbeit an der Spitze der AfD-Europawahlliste aufteilen werden, blieb bei der Pressekonferenz allerdings weitgehend unklar. Henkel schloss lediglich aus, dass er Lucke die Spitzenkandidatur streitig machen werde. Fragen von Journalisten, die sich um den Ausschluss der Öffentlichkeit beim Parteitag der hessischen AfD am vergangenen Wochenende drehten, gab Henkel umgehend an den Parteichef weiter. Henkel wiederum sagte, die AfD sei „liberaler als alle anderen Parteien“. Was Lucke so nicht stehen lassen wollte: Er finde die Formulierung besser, dass die AfD „freiheitlicher“ sei als andere Parteien. Schließlich seien bestimmte „liberale Dinge“ inzwischen zum „Allgemeingut“ geworden. Außerdem nehme die AfD abseits der Wirtschaftspolitik auch konservative oder soziale Positionen ein.

Die Liste der AfD für die Europawahl wird am 25. Januar bei einem Parteitag in Aschaffenburg aufgestellt. Umfragen sagen der Partei ein Überspringen der Drei-Prozent-Hürde voraus.


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