Altersbezüge : Wirtschaftsverbände kritisieren Rentenerhöhung

Die bevorstehende höchste Rentenanhebung seit mehr als zehn Jahren ist auf ein geteiltes Echo gestoßen. Die Sozialverbände haben Angst vor neuen Nullrunden, die Wirtschaftsverbände warnen vor weiteren Eingriffen in die Rentenformel.

Cordula Eubel

Berlin - Die bevorstehende höchste Rentenanhebung seit mehr als zehn Jahren ist auf ein geteiltes Echo gestoßen. Die Wirtschaftsverbände warnten vor weiteren Eingriffen in die Rentenformel, die den Anstieg in dem Umfang erst möglich gemacht hatte. Im Westen sollen die gesetzlichen Altersbezüge zum 1. Juli um 2,41 Prozent steigen, in Ostdeutschland sogar um 3,38 Prozent. Die Sozialverbände hingegen mahnten, es dürfe in den nächsten Jahren nicht zu neuen Nullrunden kommen.

Für die deutliche Anhebung ist neben dem Anstieg der Bruttolöhne im vergangenen Jahr eine Veränderung der Rentenformel verantwortlich, die SPD und Union für die Jahre 2008 und 2009 beschlossen hatten. Nach jahrelangen Nullrunden wollte die Koalition die Rentner ausgerechnet im Aufschwungjahr 2008 nicht mit einem mickrigen Plus von 0,5 Prozent abspeisen. Deshalb setzte sie den sogenannten Riester-Faktor per Gesetz für zwei Jahre aus, mit dem normalerweise der Rentenanstieg um 0,6 Prozentpunkte gedämpft wird. Der Faktor war in die gesetzliche Rentenversicherung eingeführt worden, um dauerhaft die Lasten zwischen der arbeitenden Generation und den Rentenempfängern neu zu verteilen. In den Jahren 2012 und 2013 sollen die ausgebliebenen Kürzungen nachgeholt werden.

Doch die zusätzlichen Rentenleistungen, mahnten die Arbeitgeberverbände bereits im Frühjahr 2008, kosten die Rentenkassen zusätzlich rund zwölf Milliarden Euro – und müssten im Wesentlichen durch höhere Beitragssätze in den Jahren 2011 und 2012 finanziert werden. Für die Sonderrentenerhöhung im Jahr der Bundestagswahlen gebe es außer wahltaktischen Erwägungen keinen plausiblen Grund. Besonders gravierend sei, dass in der älteren Generation in unverantwortlicher Weise „Illusionen“ über die künftigen Rentenerhöhungen erzeugt würden.

Für den Präsidenten des Sozialverbandes Deutschland, Adolf Bauer, verschafft das zweijährige Aussetzen des Riester-Faktors den Rentnern „nur eine kurze Atempause“. Dadurch würden die Kaufkraftverluste von mindestens zehn Prozent für die Rentner seit 2004 bei weitem nicht ausgeglichen. Bauer befürchtet in den kommenden Jahren weitere Nullrunden bei der Rente. Cordula Eubel

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