Altersvorsorge : Arbeitgeber sind gegen die bevorstehende Rentenerhöhung

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände kritisiert die aktuelle Rentenpolitik und warnt vor steigenden Rentenbeiträgen. Doch im zuständigen Ministerium weist man jede Kritik von sich und argumentiert mit einer wichtigen Konjunkturbelebung durch die höheren Rentenbezüge.

Heike Jahberg

BerlinDie Arbeitgeber haben deutliche Kritik an der bevorstehenden Rentenerhöhung geübt. „Die Politik muss in der Rentenpolitik Kurs halten“, sagte Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), am Montag auf einer „Handelsblatt“-Tagung in Berlin. Gunkel, der zugleich Vorstandsvorsitzender der Deutschen Rentenversicherung Bund ist, kritisierte „das kurzfristige Einschreiten der Politik“ und warnte vor steigenden Rentenbeiträgen.

Im Juli steigen die Renten im Westen um 2,41 Prozent, im Osten sogar um 3,38 Prozent. Die Erhöhung fällt auch deshalb so deutlich aus, weil der sogenannte Riesterfaktor für 2008 und 2009 ausgesetzt worden ist. Dieser berücksichtigt die steigenden Aufwendungen der Arbeitnehmer für ihre private Altersvorsorge. Mit dem Riesterfaktor wäre die Erhöhung um 0,6 Prozent niedriger. Franz-Josef Lersch-Mense, Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, wies die Kritik zurück. Die Rentenerhöhung sowie die ebenfalls beschlossene Beitragssenkung in der Krankenversicherung bringe den Rentnern 5,6 Milliarden Euro. Dies sorge „spürbar für eine Konjunkturbelebung“. Befürchtungen, die Politik drehe leichtfertig an der Rentenschraube, wies Lersch-Mense zurück. „Die Riester-Treppe wird nachgeholt“, betonte er. „Niemand plädiert dafür, den Riesterfaktor dauerhaft auszusetzen.“

Auch beim Thema Altersarmut gibt es Kontroversen mit den Arbeitgebern. Das Bundesarbeitsministerium will Altersarmut mit Mindestlöhnen verhindern. Die Arbeitgeber sehen das anders. Rentner seien von dem Problem kaum betroffen, sagte Gunkel. Dagegen würden in Berlin-Mitte mehr als 50 Prozent der Kinder in Haushalten leben, die auf Grundsicherung angewiesen sind.

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