Politik : Altlasten des Krieges

92 Staaten verabschieden Protokoll zur Zerstörung von alter Munition

Jan Dirk Herbermann[Genf]

Granaten, Munition, Streubomben, die nicht explodiert sind: Krieg hinterlässt ein lebensgefährliches Erbe. Auch wenn wieder Friede herrscht, bedeuten diese stillen Killer für viele Menschen den Tod. Jetzt wollen 92 Staaten, darunter Deutschland, die militärischen Altlasten entschärfen. In Genf einigten sie sich am Freitag im Rahmen der UN auf eine völkerrechtliche Verpflichtung, diese Hinterlassenschaften des Krieges künftig zu räumen und zu zerstören.

„Das Protokoll über explosive Überreste aus Kriegen soll Leben retten“, sagte der Konferenzvorsitzende, Indiens Botschafter Raakesh Sood. Die genaue Zahl der Opfer solcher Überreste ist unbekannt. Experten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz schätzen aber, dass nach 1945 allein in Europa Zehntausende durch alte Kriegsmunition getötet worden sind. Jüngstes Beispiel ist Kosovo: Nach dem Krieg starben dort fast 500 Menschen oder wurden verletzt.

In einigen Punkten bleibt die Vereinbarung unklar. Sind angreifende Staaten nach dem Rückzug ihrer Armee verpflichtet, bei der Räumung zu helfen? Oder ist nur der Staat zuständig, auf dessen Boden der Konflikt ausgefochten wurde? „Da ist der Vertrag weder schwarz noch weiß“, räumte ein hochrangiger europäischer Diplomat ein. Eine Haftung des Staates, der die Munition verschießt, ist indes ausgeschlossen. Das Protokoll tritt in Kraft, sobald es 20 Staaten ratifiziert haben.

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