Politik : Am liebsten gleich jetzt wählen

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Von Albert Funk

Zu Rudolf Scharping fielen Unions-Politikern in den vergangenen Monaten selten Freundlichkeiten ein, sie ergingen sich seit der Poolplantsch-Affäre im vorigen Sommer bevorzugt in Spott und Sottisen. Für sie war der Verteidigungsminister der Bruchpilot der rot-grünen Regierung. Der Kommentar von Unions-Fraktionschef Friedrich Merz, als er bei der CSU-Klausurtagung im Kloster Banz von der Entlassung hörte: „Die Badesaison hat gerade erst begonnen. Da läuft Scharping zur Höchstform auf." Scharping in Höchstform – für Merz und die Seinen bedeutete das: gut für uns. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos schlug im ersten Freudentaumel vor, die Bundestagswahl doch am besten gleich abzuhalten. Ein Meinungsforscher hatte den in Banz Versammelten bestätigt: Die Union liegt in den Umfragen weiterhin vor der SPD.

Edmund Stoiber trat in München vor die Presse. Der Kanzlerkandidat der Union sieht die rot-grüne Regierung in Auflösung. Der Streit zwischen Scharping und Gerhard Schröder mache „rapiden Autoritätsverlust“ des Bundeskanzlers deutlich. Es sei ein „einmaliger Vorgang“, dass eine Regierung in einer Legislaturperiode acht Minister verschleiße. Von „Handlungs- und Führungsschwäche“ sprach Stoiber, von mangelnder Teamfähigkeit Schröders. Und fügte staatsmännisch hinzu, er betrachte die Ablösung Scharpings nicht durch die wahltaktische Brille, vielmehr würden „deutsche Interessen verletzt". Denn die Auflösungserscheinungen in Berlin schadeten dem ganzen Land. „Die Soldaten haben einen anderen Chef verdient“, sagte Stoiber noch, verriet aber auch am Donnerstag nicht, welcher Unions-Politiker im Fall des Falles dieser bessere Chef wäre. In Stoibers Kompetenzteam gibt es keinen n für das Wehrressort. Für Sicherheitspolitik im weiteren Sinne firmiert Wolfgang Schäuble. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm gilt, weil einst General, als mögliche Besetzung. Von Ex-Verteidigungsminister Volker Rühe ist dieser Tage wenig zu hören.

Stoiber gab sich ob der Querelen in Berlin gönnerhaft. Er legte Schröder nahe, doch einen Traum umzusetzen, von dem der Kanzler gesprochen hatte. Schröder würde gerne einige Zeit in New York leben, wenn er nicht mehr Kanzler wäre. So stand es zumindest im „Stern“. In der gleichen Ausgabe wie die Scharping-Story.

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