Politik : Am liebsten in Zivil

In Kundus läuft der Aufbau auch ohne die Bundeswehr

Ulrike Scheffer

Die Hilfsorganisationen in Kundus bekommen Unterstützung von der Bundeswehr. Soldaten sollen sie bei ihrer Arbeit schützen. So plant es die Bundesregierung, die den Wiederaufbau in den afghanischen Provinzen fördern will. Doch: Die Helfer in Kundus kommen auch ohne die Bundeswehr zurecht. „Unsere Kollegen haben dort keine Probleme, sie fühlen sich sicher“, sagte Ulrich Post von der Welthungerhilfe. In anderen Regionen sei es wesentlich gefährlicher, würden Helfer immer wieder angegriffen, erläuterte Post. „Dort könnte ein Bundeswehreinsatz durchaus Sinn machen.“ Aus Sicht der Helfer sei es jedoch wünschenswert, die Schutztruppe Isaf in unsicheren Regionen außerhalb Kabuls einzusetzen – und nicht nur kleine Aufbauteams, die unter das Mandat der Isaf gestellt würden.

Die Welthungerhilfe ist die größte Hilfsorganisation in Afghanistan und betreut vor allem Landwirtschaftsprojekte sowie den Aufbau der Wasserversorgung. In Kundus hat sie ein Büro. Wie die meisten Organisationen fordert sie eine klare Trennung zwischen Militär- und Hilfseinsätzen. Das Konzept der geplanten regionalen Wiederaufbauteams, denen Soldaten und zivile Helfer angehören sollen, lehnen die Helfer ab. Zivile Aufbauteams dürften nicht mit Militär vermischt werden, sagte etwa der Vorsitzende von Cap Anamur, Elias Bierdel am Mittwoch. Das mache die zivilen Helfer zu potenziellen Anschlagszielen. „Humanitäre Hilfe kann grundsätzlich nur von unabhängigen Organisationen geleistet werden, und nicht von Soldaten“, sagt auch die Sprecherin von Ärzte ohne Grenzen, Kattrin Lempp.

Die Mitarbeiter der Welthungerhilfe haben Kontakte zu dem regionalen Aufbauteam der USA, das bisher in Kundus stationiert war, bewusst gemieden, weil sie fürchteten, das Vertrauen der Bevölkerung zu verspielen. Eine Kooperation gab es nicht; und dies soll laut Sprecher Post nach der Übernahme der Region durch ein deutsches Aufbauteam so bleiben.

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) versucht indes, die Bedenken der privaten Hilfswerken auszuräumen. Die Ministerin führe regelmäßig Gespräche mit den Organisationen, sagte Wieczorek-Zeuls Sprecherin Barbara Wieland dem Tagesspiegel. Ihr Argument: Im Gegensatz zu den amerikanischen Aufbauteams stehe die zivile Komponente bei dem deutschen Team klar im Vordergrund. Vorbild sei die Situation in Kabul, wo die Soldaten der Isaf den Wiederaufbau absicherten.

Die Ministerin wird am heutigen Donnerstag in Afghanistan Helfer und afghanische Regierungsvertreter treffen. Dabei wird es auch um mögliche Projekte für die Region Kundus gehen. Deutschland könne bei der Entwicklung des ländlichen Raums, dem Aufbau der Elektrizitäts- und Wasserversorgung und dem Ausbau von Straßen Hilfe leisten, sagte die Ministerin am Mittwoch vor ihrer Abreise in Berlin. Außerdem sollten Projekte im Bildungs- und Gesundheitswesen unterstützt werden. Doch all dies geschieht nach Aussagen von Hilfsorganisationen bereits – und zwar ohne ein deutsches Aufbauteam.

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