Politik : Amerika am Abend

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Am Mittwochabend bot Berlins Rauchstraße Anschauungsunterricht über Politik und transatlantische Realitäten heutzutage. Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik hatte geladen, der Referent hieß Tom Ridge, neuer US-Superminister für Heimatschutz. Natürlich muss Ridge auch selbst geschützt werden. So war die ganze Straße abgesperrt. Das Polizeiaufgebot ähnelte jenem, das zuvor im Innenministerium angetreten war. Dort hatte Ridge mit Otto Schily verhandelt. Am Abend konnte man Ridge nur lauschen, wenn man sich nach viermaligem Vorzeigen seines Ausweises in den überfüllten Vortragssaal gekämpft hatte.

Ridge legte in seiner Rede – wochenlang vorbereitet und dutzende Male umgeschrieben – ein fulminantes Bekenntnis zur Partnerschaft und zu einer multilateralen „Kultur der Kooperation“ ab. Und er tat, was US-Politiker meisterhaft tun. Vereinfachen. Seit dem 11. September befänden sich die „freiheitsliebenden“ Staaten der Welt im Abwehrkampf gegen den Terror. Über das deutsch-amerikanische Verhältnis meinte Ridge, Historiker würden einmal schreiben, dass „die Rettung in ihrer Solidarität“ gelegen habe. Amerika werde trotz des „Krieges gegen einen neuen Totalitarismus“ weltoffen, zivil und liberal bleiben. Tja. Hernach standen die Zuhörer in Grüppchen herum und tauschten Einschätzungen aus. Dass Ridge nachdenklich wirke, ehe er Fragen beantwortet. Dass er bekenne, der Krieg gegen den Terror werde „vielleicht nicht während unserer Lebensdauer“ gewonnen. Dass selbst eine blumige und pathetische Propagandarede belege, wie voller Energie und Selbstvertrauen Amerika stecke. Ein nachdenklicher Abend.

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