Politik : Amerika erwartet „Erfolgsgeschichten“ im Mittleren Osten

US-Handelsbeauftragter wirbt um wirtschaftsfreundliches Klima

Andrea Nüsse

Shuna. Das Weltwirtschaftsforum im jordanischen Shuna am Toten Meer hat sich zum Abschluss mit der wirtschaftlichen Entwicklung befasst. Nachdem der Auftakt des Sondertreffens von politischen Debatten dominiert worden war, berieten die über 1000 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Kultur über Chancen, mehr ausländische Investitionen in die Region zu holen. So wurde ein arabischer Wirtschaftsrat geschaffen, in dem die 50 führenden arabischen Unternehmen vertreten sind. Der Rat soll Kooperation und Wettbewerb innerhalb der Region stimulieren und Regierungen beraten.

Der US-Handelsbeauftragte Robert Zoellick erläuterte die Idee einer Freihandelszone zwischen der arabischen Welt und den USA, die Präsident George W. Bush im Mai vorgeschlagen hatte. Dies sei ein gradueller Prozess, dämpfte Zoellick zu hohe Erwartungen. Bisher hätten die USA ein solches Abkommen mit Jordanien. Mit Marokko werde ein Freihandelsabkommen gegen Ende des Jahres unterschriftsreif sein. Außerdem habe man Gespräche mit Bahrein und Oman aufgenommen. Möglicherweise in zehn Jahren könnten die bilateralen Abkommen zu einer Freihandelszone mit den USA zusammengelegt werden, hieß es. Doch Zoellick machte auch deutlich, dass der Handel nicht automatisch in die Region komme, sondern dort ein wirtschaftsfreundliches Klima geschaffen werden müsse.

Im Rahmen der US-Partnerschaftsinitiative wollten die USA eine Milliarde US-Dollar zur Förderung von Privatunternehmen zur Verfügung stellen. Zoellick versprach, die USA wollten „so viele Erfolgsgeschichten im Mittleren Osten hervorbringen wie Sterne am Himmel über der Wüste leuchten“. EU-Handelskommissar Pascal Lamy gab sich als Vertreter des „alten“ Europa zurückhaltender. Anders als die USA liege der Schwerpunkt der europäischen Handelspolitik nicht im weiteren Abschluss bilateraler Freihandelsabkommen. Vielmehr sei man am Ausbau des intra-regionalen Handels interessiert. Denn die arabische Welt könne kein Vertrauen in der Weltwirtschaft gewinnen, wenn die einzelnen arabischen Länder untereinander sich nicht vertrauten und dies durch funktionierenden Handel zur Schau stellten. Nach Ansicht des EU-Handelskommissars ist der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit der Jugend und radikalen politischen Ansichten bisher unterschätzt worden.

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