Politik : Amerika-Gipfel: "Freihandelszone nur für Demokratien"

Der Amerika-Gipfel in Quebec hat sich darauf verständigt, nur demokratische Staaten zur geplanten Amerikanischen Freihandelszone (FTAA) zuzulassen. Der kanadische Ministerpräsident Jean Chretien sagte, die 34 Staats- und Regierungschefs seien übereingekommen, dass die Demokratie-Klausel auch für die Kreditvergabe durch die Interamerikanische Entwicklungsbank gelten solle. Das Treffen in der kanadischen Stadt wurde von gewalttätigen Protesten von Gegnern der Handelszone begleitet. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein und nahm an den drei Tagen 420 Personen fest.

Die weltgrößte Freihandelszone FTAA soll bis 2005 gebildet werden und Nord-, Mittel- und Südamerika sowie die Karibik umfassen. Die Organisation reicht damit von Kanada bis nach Chile - allein das kommunistische Kuba bleibt von ihr ausgeschlossen. Chretien zufolge sollen künftig nur demokratische Länder Kredite erhalten. Im künftigen FTAA-Gebiet leben 800 Millionen Menschen, rund 15 Prozent der Weltbevölkerung. Im den Ländern der Freihandelszone wurden 1999 rund elf Billionen Dollar in Gütern und Dienstleistungen und rund 2,7 Billionen Dollar im grenzüberschreitenden Handel erwirtschaftet.

US-Präsident George W. Bush hatte die bereits bestehende Freihandelszone Nafta zwischen den USA, Kanada und Mexiko als Vorbild für die FTAA bezeichnet. Bush plädierte auf dem Gipfel für den Freihandel, weil er der beste Weg zur wirtschaftlichen Belebung des gesamten amerikanischen Kontinents sei.

Der mexikanische Präsident Vicente Fox sagte, 220 Millionen Lateinamerikaner lebten in Armut. Echte Demokratie sei nicht möglich in einer Gesellschaft, in der es so viel Ungleichheit gebe. Es sei wichtig, die Ausbildung in den Ländern Lateinamerikas zu verbessern. Fox schlug vor, dass alle lateinamerikanischen Staaten ein Prozent ihrer Verteidigungsausgaben in einen Sozialfonds zahlen sollten.

Während der Tagung war es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und gewalttätigen Demonstranten gekommen, die bis in den Sonntagmorgen anhielten. Die Polizei setzte an allen Tagen Wasserwerfer, Tränengas und mit Gummi ummantelte Metallgeschosse ein, um Hunderte Demonstranten vom Tagungsort im Stadtzentrum fern zu halten. Schwarz gekleidete Demonstranten hatten Polizisten mit Steinen und Brandsätzen beworfen. Auch in der Nacht zum Sonntag verteidigten Tausende Polizisten den drei Meter hohen und mehrere Kilometer langen Metallzaun, der die Staatsmänner schützte. Nach Angaben der Polizei wurden Dutzende Demonstranten und 46 Polizisten verletzt. Ein Beamter erlitt durch einen Stein schwere Kopfverletzungen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben