Amerika und Israel nach dem Iran-Deal : Goldene Gelegenheit

Benjamin Netanjahu ist über das Iran-Abkommen erbost. Barack Obama wird Israel für den Status-Verlust kompensieren müssen - mit der Lieferung moderner Waffensysteme. Ein Kommentar.

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Bedenkenträger. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist nicht so glücklich über das Iran-Abkommen.
Bedenkenträger. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist nicht so glücklich über das Iran-Abkommen.Foto: AFP

Man braucht nicht die Lindsey Grahams dieser Welt, um zu ahnen, was Amerika an Streit bevorsteht. Als „Todesurteil für Israel“ bezeichnete der republikanische US-Senator das Iran-Abkommen. Dabei sollen die markigen Worte wohl mehr Grahams Kandidatur fürs Weiße Haus befördern als die Interessen des jüdischen Volkes.

„Seit heute leben wir in einer neuen Welt“, schrieb aber auch ein Vertreter jüdischer Interessen in den USA, selbst Amerikaner, in einer persönlichen E-Mail. Nüchtern liest sich das, bilanzierend. „Wenn ich mich nicht täusche“, schließt er seinen Brief, „wird ein großer Teil dieser Welt brennen.“

Sätze wie diese sind es, nicht für die Kamera gesprochen, welche das Gefühl vieler jüdischer Amerikaner nach dem Deal mit Teheran vermitteln. Beiden Reaktionen bleibt damit eine Sicht gemein: Das Abkommen ist ein gefährlicher Verrat an Israel. Und sie sind nicht allein. Einer Mehrheit der Amerikaner (62 Prozent) ist zumindest mulmig bei dem Deal. Dieses Gefühl verbindet Hardliner und Verhandlungsbefürworter auch innerhalb der jüdischen Lobby. Es bleibt die große Variable Teheran. Eine Sicht, die Barack Obama nun, da sein großes Ziel auf Papier festgehalten ist, nicht länger als randständig behandeln darf.

Schon George W. Bush hatte die Hand in Richtung Teheran ausgestreckt

Im Kongress wird es kommen, wie es kommen muss. 60 Tage lang werden Senatoren und Abgeordnete die 159 Seiten aus Wien prüfen. Israels Premier wird seine Lobbyarbeit gegen den Deal noch verstärken. Eine Mehrheit im republikanisch dominierten Repräsentantenhaus dürfte das Abkommen zurückweisen. Dass schon George W. Bush die Hand in Richtung Teheran ausgestreckt hatte, ist in der aktuellen Konfrontation nur eine historische Fußnote. Damit müssen die Grahams oder Jeb Bushs zu einem späteren Zeitpunkt klarkommen. Auch im Senat wird wohl die Ablehnung stehen; zumal selbst einige Demokraten – wie etwa der einflussreiche New Yorker Chuck Schumer – näher an den Positionen Netanjahus stehen als an denen des eigenen Präsidenten. Obama legt dann sein Veto ein. Und am Ende werden die demokratischen Senatoren ein Überstimmen des Vetos verhindern.

Barack Obama und Benjamin Netanjahu eint bei dieser Perspektive dennoch ein gemeinsames Interesse. Der US-Präsident muss nachhaltig und glaubhaft signalisieren, dass es ihm ernst ist mit dem, was er versprochen hat. Nämlich dass die Vereinigten Staaten jetzt ihre Anstrengungen zum Schutz Israels weiter verstärken. Und Israel hat ein Interesse daran, dass die Vereinigten Staaten eben genau das tun. Dazu braucht das Land in großem Umfang moderne Waffensysteme aus den USA.

„Dies ist eine goldene Gelegenheit, praktische Maßnahmen zu besprechen, die Israel für den zugefügten Schaden an seinem strategischem Status in der Region kompensieren würden“, schreibt Alex Fishman, Militärexperte der israelischen Zeitung „Jedioth Achronoth“. Am Sonntag wird US-Verteidigungsminister Ashton Carter nach Israel reisen. Carter gilt als verlässlicher Freund Israels. Er ist der geeignete Gesandte Obamas in Sachen Kompensation. Der Besuch wäre im ganz praktischen Sinne eine goldene Gelegenheit.

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