Politik : Amerikaner in der Gewalt der Taliban?

Die in Afghanistan regierenden Taliban haben nach Angaben ihres Botschafters in Pakistan amerikanische Bürger festgenommen. Botschafter Abdul Salam Saif gab am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Islamabad aber nicht an, wo die Festnahmen stattfanden. Auch fehlten Angaben, ob es sich um Militärs oder Zivilpersonen handelt. Vier Wochen nach Bekanntwerden der Milzbrand-Attacke in den USA wurden unterdessen die Erreger erstmals in einer amerikanischen Botschaft in Europa gefunden. Sie wurden in einem Postsack der US-Vertretung in der litauischen Hauptstadt Vilnius entdeckt.

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Fotostrecke: Der Krieg in Afghanistan Der saudische Terroristenanführer Osama bin Laden forderte die Moslems in Pakistan auf, sich ihm anzuschließen. Das geht aus einem handschriftlichen Aufruf bin Ladens hervor, der am Donnerstag vom arabischen TV-Sender El Dschasira veröffentlicht wurde. Augenzeugen sagten der Nachrichtenagentur AFP, dass rund tausend Pakistaner am Donnerstag die Grenze nach Afghanistan überquert hätten, um an der Seite der Taliban gegen die USA zu kämpfen.

Das Pentagon dementierte den angeblichen Abschuss eines US-Flugzeuges durch die Taliban. Es sei keine Maschine abgeschossen worden, betonte eine Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums am Donnerstag. Taliban-Vertreter hatten zuvor erklärt, ein Flugzeug der US-Luftwaffe sei rund 40 Kilometer westlich der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif von Luftabwehrfeuer getroffen worden und anschließend nahe dem Ort Schar Bolak am Boden zerschellt.

Die Bundesregierung hat weiterhin von den USA keine Anforderung für eine Teilnahme der Bundeswehr am Anti-Terror-Einsatz in Afghanistan bekommen. Es gebe auch keine Ankündigung, dass an diesem Wochenende eine konkrete Anforderung kommen solle, hieß es am Donnerstag in deutschen Regierungskreisen im chinesischen Dalian. Damit wurde auf Gerüchte reagiert, wonach der Bundestag möglicherweise schon kommende Woche über einen Einsatz entscheiden könnte. In Regierungskreisen in Berlin galt es am Donnerstag aber als wahrscheinlich, dass schon nächste Woche eine Entscheidung über die von Bundeskanzler Schröder mehrfach angekündigte Unterstützung für die USA fallen wird.

Schröder bekräftigte während seines Besuches in China die Position, wonach Deutschland im Kampf gegen den Terror zu militärischem Engagement auch außerhalb Europas bereit sei. Er sagte am Donnerstag vor Studenten in Peking, die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik habe sich seit den Angriffen vom 11. September grundlegend gewandelt. Nach Schröder kritisierte SPD-Generalsekretär Franz Müntefering die IG-Metall wegen ihrer Forderung nach einer Bombenpause in Afghanistan.

Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) lehnt eine Feuerpause in Afghanistan weiterhin ab, hält es jedoch für möglich, auf hohe Feiertage während des Ramadan "Rücksicht zu nehmen". Im Deutschlandfunk sagte Scharping am Donnerstag außerdem, für einen deutschen militärischen Beitrag in Afghanistan gebe es noch keine "operativ konkretisierte Anforderung". In dieser Woche werde nichts entschieden.

Die Türkei schickt zur Unterstützung des US-Militäreinsatzes 90 Elitesoldaten nach Afghanistan. Die Truppen sollten die oppositionelle Nordallianz unterstützen, humanitäre Hilfe leisten und bei der Bildung einer neuen Regierung mit allen ethnischen Gruppen behilflich sein, erklärte die Regierung in Ankara am Donnerstag.

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