Politik : Amerikaner verteidigt Saddam

Andrea Nüsse

Kairo - Der zweite Tag des Prozesses gegen den früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein war eine Mischung aus Zeugenaussagen und der Klärung von Verfahrensfragen. Der Ex-Diktator gab sich kämpferisch und forderte den Vorsitzenden Richter zu Wortgefechten heraus. Allerdings verzichtete er diesmal darauf, die Legalität des Gerichts anzuzweifeln und plädierte auf nicht schuldig. Ihm und seinen sieben Mitangeklagten wird das Massaker von Dudschail aus dem Jahre 1982 vorgeworfen, bei dem 148 Menschen getötet worden sein sollen. Der Prozess soll am 5. Dezember fortgesetzt werden.

Am Montag wurde die auf Video aufgenommene Aussage des ehemaligen Gefängniswärters Wadah Ismael al Scheich ausgestrahlt. Darin beschrieb der krebskranke Mann, der vor etwa einem Monat gestorben ist, wie nach einem Attentatsversuch auf Hussein in Dudschail 400 Personen, darunter ganze Familien, verhaftet und ins Gefängnis gebracht wurden. Der Befehl dazu sei von Saddams Halbbruder Barsan Ibrahim Hassan al Tikriti gekommen. Vizepräsident Taha Ramadan soll den Befehl zur Zerstörung von Häusern und Feldern gegeben haben. Außerdem wurden zwei kurze Ausschnitte gezeigt, in denen Saddam Hussein den Befehl gab, die Leute „zu trennen und zu verhören“.

Der frühere amerikanische Staatsanwalt Ramsey Clark wurde als einer der Verteidiger Saddam Husseins eingeschworen. Clark hat nach eigenen Angaben die Verteidigung des irakischen Ex-Präsidenten übernommen, weil er die Rechte des Angeklagten nicht gesichert sieht in einem von der Besatzungsmacht geschaffenen Gericht.

In den vergangenen Wochen hatte es eine Debatte gegeben, den Prozess aus Sicherheitsgründen anderswo abzuhalten. Richter Amin habe die Verlegung in den kurdischen Landesteil erwogen, der von weniger Gewalt geplagt ist als der Zentralirak, meldete der „Focus“. Zwei Verteidiger der Angeklagten sind ermordet worden. 12 Personen wurden einen Tag vor der Wiederaufnahme des Verfahrens festgenommen, weil sie angeblich einen Anschlag auf einen Richter geplant hatten. Sie sollen auf Anweisung von Izzat Ibrahim al Duri, dem früheren Stellvertreter Saddam Husseins, gehandelt haben. Er ist eine der letzten Regimegrößen, die noch auf freiem Fuß sind.

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