Politik : Amerikanische KFOR-Soldaten ziehen den Hass der Serben auf sich

James Hider,Claire Snegaroff

Immer wieder zieht es sie zur Brücke: Auf der südlichen Seite die Albaner, auf der nördlichen die Serben. Hasserfüllte Blicke, Drohungen und Verwünschungen wandern über den Fluss Ibar hin und her. Auch am Montag stehen sie wieder dort, im Zentrum von Kosovska Mitrovica: 400 Serben und 3000 Albaner - aufgeputscht von der Aussicht, dass Zehntausende zu ihrer Unterstützung nach Kosovska Mitrovica unterwegs sind. Dazwischen die Soldaten der Kosovo-Friedenstruppe KFOR: Menschliche Schutzschilde, die das Schlimmste verhindern sollen. Am Nachmittag wird es dramatisch: Mehrere tausend Albaner versuchen, die Brücke zu erstürmen, um in den serbischen Teil vorzudringen. Sie werden jedoch von KFOR-Soldaten der gestoppt.

Die KFOR-Soldaten werden von den meisten Albanern beschimpft, verachtet und manchmal sogar beschossen. Die Serben hingegen nutzen sie als Deckung. Doch kaum wagt es die KFOR, im serbisch kontrollierten Stadtteil aufzuräumen, werden die Beschützer zu Eindringlingen, die wütend mit Steinen und Dachziegeln bombardiert werden.

So schnell sie können, marschieren die Jugendlichen an der Spitze des Protestmarsches, der am Morgen in Pristina aufgebrochen ist, Richtung Kosovska Mitrovica. Viele rennen sogar. Es sind vor allem die Jungen, die sich nicht an die Abmachung mit der KFOR halten wollen, in Vucitrn kurz vor der Stadt zu stoppen. "Wir gehen auf jeden Fall bis zur Brücke", sagt der 15-jährige Dritan Bajrami. "Wenn die Soldaten uns stoppen, machen wir eben Umwege. Egal was passiert, wir kommen da schon an." Er protestiere für die Wiedervereinigung Mitrovicas, erklärt Dritan stolz - im Klartext: die Vertreibung der letzten dort lebenden Serben.

Um den verfeindeten Volksgruppen wenigstens die schlimmsten Mordwerkzeuge aus der Hand zu nehmen, hat die KFOR mit einer groß angelegten Razzia begonnen. Am Sonntagfrüh begannen die Soldaten mit der Durchsuchung von Häusern und Autos, um in illegalen Depots Gewehre, Munition, Granaten und Sprengstoff aufzuspüren. Doch die "Operation Ibar" stößt auf heftigen Protest, vor allem im hauptsächlich von Serben bewohnten Stadtteil.

Die mehr als 300 US-Soldaten der KFOR schaffen es am Sonntag gerade, ein einziges Haus zu durchsuchen. 500 aufgebrachte Serben werfen Steine und Dachziegel, Flaschen und Schneebälle auf die gepanzerten Fahrzeuge, drohen und schimpfen. "Clinton ist wie Hitler", schreit einer. In einer anderen Straße werden zwei US-Soldaten leicht verletzt. Hastig zieht sich die Truppe über die Brücke in den Süden zurück. "Die Amis sind in Mitrovica und im Norden des Kosovo nicht erwünscht", tönt der selbsternannte Bürgermeister des serbisch kontrollierten Stadtteils, Oliver Ivanovic. Sie hätten schließlich den Krieg der NATO gegen Jugoslawien angeführt.

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