Politik : Amerikanische Reisepässe ohne Biometrie

Malte Lehming

Washington/Brüssel - Amerikaner werden auf absehbare Zeit keine Reisepässe mit biometrischen Daten haben. Man befinde sich noch im Entwicklungsstadium, sagte die Sprecherin für Konsularangelegenheiten im State Department, Angela Aggeler, dem Tagesspiegel in Washington. Ihre Regierung habe Kontakt zu mehreren Firmen aufgenommen, um die technische Realisierung zu überprüfen. Das unverbindliche politische Ziel sei es, bis Anfang 2007 zumindest die elektronische Gesichtserkennung in die Pässe mit aufzunehmen. Fingerabdrücke oder gar Irisanalyse seien nicht geplant.

Unterdessen verschärfte sich der Visa- Streit zwischen den USA und der EU. Der US-Kongress ist offenbar nicht gewillt, die Visa-Freiheit für EU-Bürger ohne elektronisch lesbaren Reisepass über den 25. Oktober 2005 hinaus zu verlängern. Das geht aus einem Brief hervor, den die EU- Kommission veröffentlichte. Brüssel hatte um Verlängerung gebeten. Die 25 EU- Staaten seien erst Ende August 2006 in der Lage, entsprechende Pässe auszugeben. Dagegen sagte der Vorsitzende des Justizausschusses im US-Repräsentantenhaus, James Sensenbrenner, eine derartige Verlängerung sei unwahrscheinlich. Bliebe es bei der Beschlusslage des Kongresses, müssten EU-Bürger vom Herbst an für US-Reisen ein Visum beantragen.

Die EU-Kommission erwiderte, sie sei besorgt und enttäuscht. Denkbar sei, dass künftig auch die EU Visa von US-Bürgern verlange. Bislang fordert die EU von US- Bürgern weder ein Visum noch die Vorlage eines elektronisch lesbaren Reisepasses. Der Chip im Reisepass, wie die USA ihn nach derzeitiger Beschlusslage ab 26. Oktober verlangen, soll digitalisierte Daten zur Gesichtsform des Inhabers enthalten. Die EU hatte bereits eine Fristverlängerung erreicht, weil sich die Aufnahme so genannter biometrischer Daten in die Pässe verzögerte.

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