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Amnesty International : Russland soll Kriegsverbrechen begangen haben, Moskau widerspricht

Einem Amnesty-Bericht zufolge soll Russland bei Luftangriffen in Syrien 200 Zivilisten getötet haben. Sind die Einsätze als Kriegsverbrechen zu werten?

Russische Flieger in Syrien.
Russische Flieger in Syrien.Foto: AFP

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Russland die Tötung hunderter Zivilisten bei Luftangriffen in Syrien vorgeworfen. Die russischen Kampfjets hätten "offenbar direkt" Wohngebiete "und sogar medizinische Einrichtungen attackiert", hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Amnesty-Bericht zu dem vor drei Monaten gestarteten Militäreinsatz. Solche Angriffe auf Zivilisten "könnten Kriegsverbrechen darstellen". Der Bericht konzentriert sich auf die russischen Luftangriffe in den Provinzen Homs, Idlib und Aleppo.

Dabei seien von September bis November mindestens 200 Zivilisten getötet worden, erklärte Amnesty. Alleine bei einer Attacke auf einen Markt in der Ortschaft Ariha gab es demnach 49 zivile Opfer. Bei einem anderen Luftangriff seien in der Stadt Ghantu 46 Einwohner, die meisten von ihnen Kinder und Frauen, getötet worden.

Die Regierung in Moskau sprach von "Klischees und Falschdarstellungen". "Sie können es nicht wissen und haben keine Möglichkeiten es zu überprüfen", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, unter Hinweis auf die ai-Erklärung, bei einigen Angriffen habe es in der Nähe kein "militärisches Ziel" gegeben. Er bestritt die Darstellung, nach der das russische Militär auch Splitterbomben eingesetzt habe. Häufig spreche Amnesty von "mutmaßlichen russischen Luftangriffen". Das liege daran, dass sich die Organisation auf Augenzeugenberichte berufe, die sie selbst nicht überprüft habe.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte am Dienstag mitgeteilt, dass durch russische Angriffe seit September insgesamt 2132 Menschen getötet worden seien, unter ihnen 710 Zivilisten. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf Aktivisten vor Ort, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum überprüfbar.

Russland unterstützt nach eigenen Angaben die Truppen von Staatschef Baschar al-Assad im Kampf gegen Dschihadisten. Die US-geführte Allianz wirft Moskau allerdings vor, zur Stabilisierung von Assads Regierung auch mit dem Westen verbündete gemäßigte Rebellen zu bekämpfen. Russland weist dies zurück. (AFP)

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