Politik : Amnesty: Verschleppung nach Afghanistan kein Einzelfall

Georg Picot

Berlin - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hält den Fall eines Deutschen libanesischer Herkunft, der nach eigenen Angaben nach Afghanistan entführt worden ist, für glaubwürdig und zudem nicht für einen Einzelfall. Der Fall Khaled Al Masri wird neben 14 weiteren in einem Bericht der Organisation über den Kampf der USA gegen den Terror aufgelistet. Amnesty-Mitarbeiter sehen Parallelen zu anderen Fällen, in denen Menschen als Terroristen verdächtigt und verschleppt wurden. Al Masri, der nach eigenen Angaben von Amerikanern in Afghanistan fünf Monate ohne Kontakt zur Außenwelt eingesperrt worden war, hatte sich selbst an die Menschenrechtsorganisation gewandt. Er wurde offenbar von Mazedonien nach Afghanistan verschleppt.

Verena Harpe, Asien-Referentin von Amnesty International Deutschland, sagt, Al Masris Aussage stimme bis ins Detail mit anderen Berichten überein. So gibt er an, schwarz gekleidete Männer hätten ihm die Kleider mit Scheren vom Leib geschnitten und ihn in einen blauen Trainingsanzug gesteckt. Ähnliches berichtete der Australier Mamdouh Habib, der in Pakistan festgenommen und nach Ägypten ausgeflogen worden war. Die „Washington Post“ berichtete ebenfalls über zwei ägyptische Asylbewerber in Schweden, die Ende 2001 von US-Agenten nach Ägypten abtransportiert worden waren. Laut Amnesty wurden Menschen aus Pakistan, Afrika und Europa verschleppt – meist nach Afghanistan und Guantánamo. Oft würden sie fremden Behörden übergeben, von denen sie beim Verhör gefoltert würden, sagt der US-Demokrat Edward Markey. Dem Tagesspiegel hatte Al Masri erzählt, Mithäftlinge in Afghanistan seien aus Somalia, Jemen, Saudi-Arabien und dem Irak gekommen.

Angesichts der Vorwürfe sagt Sumit Bhattacharyya, USA-Experte von Amnesty: „Es kann nicht sein, dass Leute geheim, ohne die Kontrolle von Gerichten festgenommen und ausgeflogen werden.“ Das gelte unabhängig davon, ob der Verdacht des Terrorismus begründet ist. „Geheimhaltungen und Menschenrechtsverletzungen gehen fast immer zusammen.“

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