Amoklauf : US-Soldat wegen Mordes an 16 Afghanen vor Gericht

Laut Staatsanwalt hatte der Feldwebel Blut der Opfer auf seiner Kleidung und dem Gewehr. Der Angeklagte habe ungläubig reagiert, als seine Kameraden ihre Waffen auf ihn gerichtet hätten, nachdem er von dem Amoklauf zurück gekommen sei.

Ein US-Soldat muss sich wegen 16-fachen Mordes vor einem Militärgericht verantworten.
Ein US-Soldat muss sich wegen 16-fachen Mordes vor einem Militärgericht verantworten.Foto: Reuters

Ein US-Soldat muss sich wegen einer der schwersten Gewalttaten während des Afghanistan-Einsatzes vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Feldwebel Robert Bales unter anderem vorsätzlichen Mord in 16 Fällen vor. Das Blut seiner Opfer sei auf seiner Kleidung und seinem Gewehr gewesen, als er nach seinem nächtlichen Amoklauf im März zurück in sein Militärlager im Süden Afghanistans gekommen sei, sagte Staatsanwalt Jay Morse bei einer Anhörung am Montag in den USA. Seinen Anwälten zufolge will Bales sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

Der 39-Jährige soll im März seinen Stützpunkt in der afghanischen Provinz Kandahar verlassen und in zwei Dörfern 16 Menschen getötet haben, darunter neun Kinder. „Die Anhörung ist für uns alle wichtig, um herauszufinden, was die Regierung wirklich beweisen kann“, sagte John Browne, einer von Bales Anwälten.

Die Ankläger zeigten bei der Anhörung erstmals ein Video, auf dem ein vermummter Mensch auf die Militärbasis zulief. Der Vermummte soll den Angaben zufolge Bale sein. Morse sagte, der Angeklagte habe ungläubig reagiert, als seine Kameraden ihre Waffen auf ihn gerichtet hätten, nachdem er von dem Amoklauf zurück gekommen sei.

Nachdem er in Gewahrsam genommen wurde, soll Bale demnach gesagt haben, er habe gedacht, er tue das Richtige. Der Staatsanwalt räumte mögliche Zweifel an Bales Zurechnungsfähigkeit aus. Der Feldwebel sei zu jeder Zeit bei klarem Verstand gewesen, sagte Morse.

Bale stammt aus dem US-Staat Ohio. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 trat er in die Armee ein, nachdem seine Karriere als Aktienhändler gescheitert war. Vor seiner Mission in Afghanistan war er drei Mal im Irak im Einsatz.

Die Anhörungen sollen zwei Wochen dauern. Dabei sollen Zeugen aus Afghanistan per Video in den Gerichtssaal geschaltet werden. Es wird erwartet, dass der Fall vor einem Militärgericht verhandelt wird. (dapd)

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