Politik : Amtsenthebung von Clinton wird in den USA offen diskutiert

ROBERT RIMSCHA

Alte Affären setzen dem Präsidenten mächtig zu/Ermittlungen verdrängen Routine im Weißen HausVON ROBERT VON RIMSCHA WASHINGTON.US-Präsident Bill Clinton ist wegen des Vorwurfs, eine Sex-Affäre vertuscht und dabei zum Meineid angestiftet zu haben, am Donnerstag unter starken Druck geraten.Erste Forderungen nach einer Amtsenthebung wurden laut.Zugleich wurde bekannt, daß Clinton nun offenbar die Affäre mit Jennifer Flowers einräumt.Sonderermittler Keneth Starr verteidigte das Abhören von Monica Lewinsky, 1995 Praktikantin im Weißen Haus, als "traditionelle und erprobte Ermittlungsmethode".Starr ist von drei Richtern beauftragt, zu untersuchen, ob Clinton ein Verhältnis mit Lewinsky hatte und diese anschließend drängte, unter Eid die Affäre zu leugnen. Der Vorsitzende des Justizausschusses im Repräsentantenhaus, Henry Hyde, sagte am Donnerstag: "Impeachment ist auf jeden Fall eine Option." Impeachment ist das formelle Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten durch den Kongreß.Nach CNN-Angaben hatte Clinton am Sonnabend bei seiner Befragung durch Anwälte von Paula Jones unter Eid eingeräumt, Briefe an Lewinsky geschrieben und ihr Geschenke geschickt zu haben.Clinton soll auch ausgesagt haben, daß er in den 70er Jahren eine Affäre mit Jennifer Flowers hatte.Dies behauptet Flowers seit Jahren. Der Präsident hatte am Mittwoch mit sichtbarem Zögern eine sexuelle Affäre mit Lewinsky dementiert und beteuert, niemanden zum Lügen angestiftet zu haben.Starr sicherte er zu, bei der Untersuchung zu kooperieren.Präsidentensprecher McCurry sagte, im Weißen Haus herrsche "alles andere als Routine".Starr hatte tausende Akten beschlagnahmt.Nach Informationen der "Washington Post" hatte das FBI Lewinsky abgehört und sie anschließend gebeten, mit Starr zu kooperieren.Ihrer Freundin Linda Tripp gegenüber soll Lewinsky gesagt haben, Clinton und dessen Anwalt Vernon Jordan hätten sie gebeten, die Affäre zu leugnen.Vor zwei Wochen unterschrieb Lewinsky eine eidesstattliche Erklärung für die Anwälte von Paula Jones, in der sie versichert, keine Affäre mit Clinton gehabt zu haben. In einer Blitzumfrage glaubten 54 Prozent der Amerikaner, Clinton habe eine Affäre mit Lewinsky gehabt.Die Mehrheit meinte, sexuelles Fehlverhalten im Weißen Haus sei nicht relevant.Ebenfalls eine Mehrheit äußerte die Ansicht, Vertuschungsmanöver und besonders die Anstiftung zur eidesstattlichen Falschaussage seien relevante Vorwürfe.

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