Politik : Amtsinhaber bevorzugt

Goodluck Jonathan gilt als Favorit bei den Präsidentschaftswahlen in Nigeria

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Wahlen in Nigeria Foto: AFP
Wahlen in NigeriaFoto: AFP

Eine Woche nach der Parlamentswahl hat in Nigeria am Samstag die Abstimmung über den künftigen Präsidenten des Landes stattgefunden. Vor den Wahllokalen bildeten sich bereits am frühen Morgen lange Schlangen. Nach ihrer Eröffnung fand zunächst eine vierstündige Akkreditierung der Abstimmungsberechtigten statt, bevor ab dem Mittag die Wahlscheine ausgefüllt werden konnten. Insgesamt waren in dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas mehr als 73 Millionen Menschen aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Wahlen wurden nach politischer Gewalt im Vorfeld von starken Sicherheitsmaßnahmen begleitet.

Für Victor Burubo war bereits der erste Akt des nigerianischen Wahlmarathons ein tiefer Einschnitt für das Land. Die hohen Verluste der regierenden Demokratischen Volkspartei (PDP) bei den Parlamentswahlen sind für den politischen Beobachter jedenfalls ein klares Anzeichen dafür, dass Nigeria sich „grundsätzlich verändere“. Jeder Politiker wisse nun, dass die Wähler „wählerischer“ geworden sein und nicht mehr nur alten Loyalitäten anhingen. Ein Indiz dafür ist, dass einige bekannte PDP-Politiker ihren Sitz bei den Parlamentswahlen überraschend verloren. Diese waren wegen fehlender Wahlzettel zuvor um eine Woche verschoben worden. Das ist auch der Grund, weshalb die besonders aussagekräftigen Präsidentschaftswahlen erst an diesem Samstag abgehalten wurden.

Allerdings bezweifelt Burubo, dass das schlechte Abschneiden der PDP auf Parlamentsebene auf die Präsidentschaftswahl übertragbar ist. Er glaubt, dass viele Regionen, in denen die PDP vor einer Woche verlor, nun für deren Präsidentschaftskandidaten Goodluck Jonathan stimmen werden, da er und sein Vizepräsident höhere Glaubwürdigkeit genössen.

Der 53-Jährige gilt auch aus einem anderen Grund als Favorit. So begünstigt das Wahlsystem den Amtsinhaber, weil dieser Zugriff auf die gewaltigen Öleinnahmen hat – und Geld, Kontrakte und Posten verteilen kann. Jonathan hatte die Führung des Landes im Mai vergangenen Jahres nach dem Tod des muslimischen Präsidenten Umaru Yar’Adua übernommen. Allerdings hat Jonathan, ein ehemaliger Zoologe, dabei eine wichtige Absprache gebrochen: Danach sollte die Präsidentschaft innerhalb der Regierungspartei eigentlich erst nach zwei Amtszeiten zwischen dem muslimischen Norden und dem christlichen Süden wechseln. Nun ist dies bereits nach nur einer Amtszeit geschehen. Entsprechend schwer dürfte es der PDP fallen, die verprellten Wähler im Norden für sich zu gewinnen. Sie stellen immerhin rund die Hälfte der fast 74 Millionen Wahlberechtigten. Kein Wunder, dass sich die beiden Gegenkandidaten aus dem Norden diesmal bessere Chancen ausrechnen, der Regierungspartei Stimmen abzujagen. Die Parlamentswahl vergangene Woche hat dies bereits gezeigt.

Jonathans Hauptrivale ist Muhammadu Buhari vom neu gegründeten Kongress für fortschrittlichen Wandel, ein früherer Militärherrscher, der viel Unterstützung für seine „Kampagne gegen Disziplinlosigkeit“ erhielt, als er 1983 für nur 18 Monate die Macht übernahm. Seine Amtszeit als Präsident gehörte zu den wenigen Abschnitten in den 50 Jahren seit der Unabhängigkeit des Landes, in denen der Staat ernsthaft gegen korrupte Politiker und Drogenbosse vorging. Dies hat dem 69-Jährigen vor allem unter den ärmeren Menschen im Norden Nigerias starken Zulauf beschert.

Der andere größere Rivale ist Nuhu Ribadu vom Aktionskongress für Nigeria, der ebenfalls aus dem Norden stammt und früher Chef der Antikorruptionsbehörde war. Der selbst ernannte „Obama Afrikas“ ist der jüngste Kandidat und gilt als besonders progressiv. Seine Hauptunterstützung kommt aus der kleinen nigerianischen Mittelklasse.

Die meisten Beobachter prophezeien, dass es erstmals seit der Rückkehr des Landes zur Demokratie im Jahr 1999 eine Stichwahl zwischen Jonathan und Buhari geben wird – und dann wohl wieder einen Sieg des gegenwärtigen Staatschefs. Weit schwerer dürfte es für die Regierung jedoch werden, die Kontrolle über die 27 von ihr dominierten Bundesstaaten zu behalten. Dabei ist Jonathan bei seinen Reformvorhaben auf die Unterstützung dieser mächtigen Gouverneure angewiesen, um Nigeria endlich aus seiner jahrzehntelangen Stagnation zu befreien. Am 26. April stehen die Abstimmungen über die Gouverneure und Regionalparlamente an. mit AFP/dpa

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