Politik : An einem Strang

Seehofer lobt seine CSU als verlässlich

Henry Stern

Nürnberg - Eine neue Diskussionskultur zwischen Parteiführung und Basis hatte die CSU für ihren kleinen Parteitag in Nürnberg angekündigt. Doch daraus wurde nichts: Mangels Fragen wurde die angekündigte Aussprache der rund 400 Delegierten gestrichen. Vielleicht lag es am Sommerwetter, dass die Parteibasis keine Lust verspürte, über den Zustand der Berliner Koalition oder über die Gefühlslage in den eigenen Reihen zu diskutieren. Möglicherweise gibt es aber tatsächlich diese „kollektive Intelligenz“, die CSU-Chef Horst Seehofer seinen Parteifreunden in seiner gut eineinhalbstündigen Grundsatzrede attestierte.

Nur vier Tage vor der Wahl des Bundespräsidenten will die Partei keine neuen Schlagzeilen – wie auch Seehofer unmissverständlich klarmachte. In scharfem Ton stutzte der bayerische Regierungschef seine Sozialministerin Christine Haderthauer zurecht, die am Freitag mit einem etwas schiefen Vergleich neues Öl ins schwarz-gelbe Feuer gegossen hatte: Die FDP wolle eine „sozialistische Familienpolitik“ wie der einstige chilenische Diktator Pinochet, hatte Haderthauer im Streit um das Elterngeld gewettert. „Solche Vergleiche sind kein Stilmittel der CSU“, verfügte Seehofer in Nürnberg knapp. Denn: „Gute Politik muss man auch mit gutem Stil verbinden.“ Schließlich hatte sich die CSU bereits vor dem Parteitreffen zum „stabilen Anker“ der Berliner Koalition erklärt. „Wir sind verlässlich und wir wollen diese Koalition“, bekräftigte Seehofer. Er beteuerte, auch intern ziehe seine Partei längst wieder an einem Strang. „Und wenn wir uns absprechen, ist die CSU eine unschlagbare Truppe.“ Den Dauerzoff in der Berliner Koalition sprach Seehofer dagegen nur indirekt an: Die CSU bestehe „aus beherzten Diskutanten – allerdings nur vor einer Entscheidung“. Seien die Würfel gefallen, stehe man eisern zu den Beschlüssen.

Erster Maßstab für die neue bayerische Verlässlichkeit soll die Kür von Christian Wulff zum Bundespräsidenten sein, so Seehofer. Entsprechend herzlich wurde der Niedersachse in Nürnberg empfangen. „Wenn Bayern alleine entscheiden würde“, erklärte Wulff, „dann würde ich mir um die Wahl keine Sorgen machen.“ Zuvor hatte der Kandidat seine Qualifikation für das höchste Staatsamt und seinen Politikstil verteidigt: „Man kann auch mit leisen Tönen Erfolg haben.“ Den Vorwurf mangelnder Lebenserfahrung konterte der 51-Jährige mit einer indirekten Attacke auf seinen Konkurrenten Joachim Gauck: „Es kann doch nicht sein, dass man Pensionär sein muss, um kandidieren zu können“, sagte Wulff. Henry Stern

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