Analyse : Eine Rede fürs Herz

Was bedeutet Barack Obamas Rede? Ingrid Müller, Leitende Redakteurin des Tagesspiegels, hat die erste Rede des 44. US-Präsidenten analysiert.

Ingrid Müller

Das ging den Menschen ans Herz. Barack Obama hat nicht herumgeredet um die Schwierigkeiten. Er hat kritisiert. Verantwortungslosigkeit einzelner, aber auch fehlenden Mut aller. Er hat gesagt, dass er weiß, wie schwer die Zeit ist. Dafür ist er ganz, ganz weit in die Geschichte zurückgegangen. Bis zu den Gründungsvätern des Staates. Die damals im härtesten Winter und unter noch viel härteren Bedingungen etwas riskiert haben, um eine Nation zu bilden. Und das war wohl die zentrale Botschaft: Alle müssen zusammen stehen. Einer allein kann das nicht. Auch wenn das wohl immer noch viele hoffen. In Amerika und in der Welt. 

Die einen müssen zurückstecken für die anderen, alle gemeinsam sind stark. Stark, um für die eigenen Werte einzustehen und diese gegen Gefahren zu verteidigen. Barack Obama hat versucht, seinen Landsleuten das Vertrauen in die eigenen Kräfte zurückzugeben. Ein Volk, das seine Wunden leckt, kommt nicht voran. Er hat es mit viel Pathos und einigen sehr persönlichen Einsprenkseln getan. Er hat versucht, den Menschen zu sagen, ich bin einer von euch.

Er wird wissen, dass Vertrauen das größte Gut ist. Es hat etwas mit Glauben an die eigene Sache zu tun. Den Glauben an die eigene Kraft haben viele Amerikaner in der Krise verloren. So wie ihren Arbeitsplatz oder ihr Haus. Obama hat ihnen gesagt, wir sind stark genug, das alles wieder ins Lot zu bringen. So groß kann eine Krise gar nicht sein, dass wir das nicht schaffen.

Nun wird er zeigen müssen, was er unter zusammen meint. Er hat von Hand ausstrecken und Gemeinsamkeiten gesprochen, das werden nicht nur die Menschen in Europa gern gehört haben. Aber hat er das gemeint, was sich so viele hier nach der Konfrontation der Bush-Ära erhoffen? Es klang sehr nach Gutmensch, so ganz anders als der Vorgänger. Aber es mögen doch unterschiedliche Auffassungen dahinter stehen, was gemeinsam heißt.

Jetzt beginnt der Ernst des Lebens. Die Mitarbeiter sind gleich auf dem Weg ins Weiße Haus. Es gibt viel zu tun. Arbeitslosigkeit und Finanzkrise, und all die internationalen Konflikte, Irak, Iran, Afghanistan. Die Welt wartet auf klare Worte, auf Details. Dafür war heute nicht der Tag. Aber viel Zeit bleibt Obama nicht. Was die immer zu Streit Anlass gebende militärische Zusammenarbeit angeht, erwarten die Verantwortlichen seine Vostellungen spätestens zum Nato-Gipfel Anfang April, auch dort wird sich zeigen, was barack obama mit der neuen verantwortung meint, die er, die amerika, die die amerikaner übernehmen wollen.

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