ANARCHISTEN HINTER DEN ATTENTATEN : Operation Weihnachtsmann

Italienische Anarchisten haben sich zu den Anschlägen auf die Botschaften der Schweiz und Chiles in Rom bekannt. Die „Informelle Anarchistische Föderation“ (FAI) übernahm in den vergangenen Jahren schon mehrfach die Verantwortung für Attentate auf Politiker und Polizei – und immer wieder wurde die Gruppe dabei vor allem in der Weihnachtszeit aktiv. Italienische Ermittler halten die Anarchisten nicht für eine straff organisierte Organisation, sondern für ein Sammelbecken verschiedener Teilgruppen.

Erstmals wurde die FAI am 21. Dezember 2003 einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Da explodierten im italienischen Bologna zwei Bomben in Müllcontainern, die unweit des Hauses des damaligen EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi standen. Sechs Tage später erhielt Prodi ein Paket, das beim Öffnen durch den Politiker in Flammen aufging, ihn aber nicht verletzte. Darauf gingen mehrere Pakete an Vertreter des Europaparlaments und anderer EU-Institutionen wie die Europäische Zentralbank (EZB) und die Polizeiorganisation Europol. In einem Traktat, das einigen Päckchen beigelegt worden war, kritisierte eine „Operation Weihnachtsmann“ den Kapitalismus und forderte mehr internationale Solidarität ein.

In den folgenden drei Jahren setzte die FAI ihre Anschlagsserie in Italien fort, ohne dass es Opfer gab. Ziele waren unter anderem Polizeikommissariate, Carabinieri-Kasernen und Auffangzentren für Einwanderer. Ab Mitte Juni 2006 passierte für mehr als zwei Jahre nichts mehr. Im Dezember 2009 tauchte die FAI mit einem Anschlag gegen eine Universität in Mailand wieder auf. Im März 2010 explodierte dann ein Paket in einer Postverteilungsstelle in Mailand.

Im Oktober wurde vor der Schweizer Botschaft in Rom bereits ein Sprengsatz gefunden. In einem beiliegenden Schreiben wurde die Freilassung von „Costa, Silvia und Billy“ gefordert – drei Anarchisten, die im April in der Schweiz wegen des Verdachts von Anschlagsvorbereitungen gegen einen internationalen Großkonzern festgenommen worden waren.

Die Zahl der Mitglieder der Gruppe würden auf „nur einige Dutzend“ geschätzt, sagten italienische Ermittler der Zeitung „La Repubblica“. Die FAI sei „ein Auffangbecken ohne wirklichen Chef“.

Die Organisation funktioniere eher wie eine „Marke“, die wie bei Franchise-Unternehmen für verschiedene Teilgruppen verwendet werde. AFP

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