Politik : Angeklagter im NS-Prozess aus Untersuchungshaft entlassen

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München Der wegen NS-Verbrechen angeklagte Ladislav Niznansky ist wieder auf freiem Fuß. Nach neunmonatiger Untersuchungshaft hob das Schwurgericht München I am Freitag den Haftbefehl gegen den 86 Jahre alten Angeklagten auf. Der Prozess gegen ihn wegen Mordes in 164 Fällen wird aber fortgesetzt.

Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl betonte, der Angeklagte sei nach wie vor verdächtig. Voraussetzung für weitere Untersuchungshaft sei aber „die hohe Wahrscheinlichkeit“ einer Verurteilung. Davon könne derzeit nicht mehr ausgegangen werden. Niznansky war Mitte Januar 2004 in München verhaftet worden. Die Anklage legt Niznansky die Beteiligung an drei Massakern zur Last, bei denen Anfang 1945 in der Slowakei 164 Männer, Frauen und Kinder ermordet wurden. Niznansky leitete damals die slowakische Einheit der deutschen Partisanen-Abwehrgruppe „Edelweiß“. Hintergrund der Freilassung sind widersprüchliche Angaben des Hauptzeugen. Niznanskys damaliger Untergebener Jan Repasky hatte im Jahr 2001 ausgesagt, dieser habe eigenhändig 20 Menschen erschossen. Diese Beschuldigung hielt der 79-Jährige in München nicht aufrecht. Zudem verstrickte er sich in Widersprüche.

In den slowakischen Dörfern Ostry Grun und Klak, wo die Massaker verübt worden sind, herrschte Enttäuschung. Die Anwesenheit von Niznansky zur fraglichen Zeit am Tatort sei doch nachgewiesen, sagte der Bürgermeister von Klak, Pavel Mesiarik. Der Vize-Vorsitzende des Antifaschistischen Verbandes der Slowakei, Oto Wagner, sprach vom „Gipfel der Dreistigkeit“. „Die Menschen haben sich bestimmt nicht selbst getötet.“

Niznansky sagte: „Ich bin sehr erleichtert.“ Zugleich beteuerte er erneut seine Unschuld. Sein Verteidiger Steffen Ufer bezeichnete die Haftentlassung als „logisch“. Ohne Zweifel sei sein Mandant in die Vorfälle verstrickt – ob dies aber schuldhaft geschehen sei, lasse sich nach fast 60 Jahren kaum noch klären. dpa

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