Angela Merkel auf dem Parteitag der CSU : Der Kongress kichert

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel auf dem Parteitag der kleinen Schwester CSU: Misstöne gibt es diesmal keine. Keine lauten jedenfalls. Aber ganz ruhig geht es nicht zu.

von
Einigkeit. Angela Merkel und Horst Seehofer am Freitag auf dem Parteitag der CSU.
Einigkeit. Angela Merkel und Horst Seehofer am Freitag auf dem Parteitag der CSU.Foto: dpa

„Liebe verehrte Frau Bundeskanzlerin, liebe Angelika Merkel“ schreit die Tagungspräsidentin ins Mikrofon. Barbara Stamm ist so laut, weil die Musik so dröhnt und wummert, mit der die CSU ihren Ehrengast in der Nürnberger Parteitagshalle empfängt. Wahrscheinlich hat das Gedröhne der bayerischen Landtagspräsidentin Barbara Stamm den Vornamen der Kanzlerin einfach durcheinander geschüttelt, was um so einleuchtender erscheint, als Horst Seehofer wenig später von der Bühne herab „Angelia“ herzlich willkommen heißt.

Der Vornamenwirrwarr ist aber auch so ungefähr der einzige Misston zwischen Gast und Gastgebern am Freitagnachmittag. Angela Merkel hat der CSU schon garstige Grußworte gehalten. Aber diesmal bleiben schwesterliche Winke mit Zaunpfählen aus. Auf den Sprachenstreit im Vorfeld der Parteiversammlung geht Merkel gar nicht ein. Für die CSU ist das Gelächter Strafe genug, das sie sich mit ihrer Forderung in einem Leitantrag eingehandelt hat, Ausländer sollten zum Gebrauch der deutschen Sprache auch daheim „angehalten“ werden.

Daraus ist inzwischen „motiviert werden“ geworden. Wie das nun wieder praktisch aussehen soll, bleibt im Wortnebel des Antrags ungeklärt. Aber die Sache ist jedenfalls erledigt. In der Mini-Debatte zu dem Antrag meldet sich ein Delegierter namens des Handwerks zu Wort. Er fordert ein auf Zeit garantiertes Aufenthaltsrecht für Flüchtlinge, die in Deutschland eine Ausbildung absolvieren: „Wir brauchen die Leute.“ Es gibt in der CSU zum Thema „Umgang mit Ausländern“ also offenbar auch andere Sichtweisen.

Angela Merkel ist erkennbar auf Einigung aus

Merkel, wie gesagt, hält sich aus dem Vorgang heraus. Die CDU-Chefin ist vor drei Tagen von ihrem eigenen Parteitag als unbestrittene Vorsitzende bestätigt worden. Auch die Berliner Verhältnisse sind im Moment zwischen den Schwesterparteien derart geklärt, dass sich nicht einmal Frozzeleien anbieten. Nur dass die Energiewende nicht ganz ohne neue Leitungsnetze auskommen werde, verkneift Merkel sich nicht. Seehofer wird später seine Danksagung mit der „Klarstellung“ beginnen, dass man zwar neue Stromnetze brauche, aber nicht alle. „Es gibt keinen Dissens“, behauptet Seehofer. Merkel neben ihm zieht ein Gesicht, dass man unwillkürlich denkt, dass es vielleicht doch einen Dissens gibt.

Aber Merkel ist erkennbar nicht auf Gestichel aus, sondern wirklich auf Einigkeit. Das hat wohl einen schlichten Grund. Wenn die politische Schlacht um das Freihandelsabkommen TTIP geschlagen wird, braucht die Kanzlerin den engen Schulterschluss in der Koalition. Auch die Rahmensetzung für die digitale Zukunft wird absehbar zur Schlacht gegen eine deutsche Mehrheitsmeinung, die beim Stichwort „Big Data“ an Datenschutz denkt, nicht an Wirtschaft.

Merkel wird da regelrecht kämpferisch: Die Union, beschwört sie die kleine Schwester, habe früher schon Konflikte wie etwa um die Nachrüstung gemeinsam durchgestanden. Die kleine Schwester bedankt sich artig. Das Nürnberger Christkindl, glitzergülden gewandet mit wallendem Haar, überreicht einen Geschenkkorb. Das Tagungspräsidium beendet den „Tagesordnungspunkt Schöne Bescherung“. Der Parteitag kichert ein bisschen. So herrscht also Friede auf bayerischer Erde.

4 Kommentare

Neuester Kommentar