Angela Merkel zum EU-Beitritt der Türkei : "Da ist noch ein sehr langer Weg zu gehen"

Vor den ersten deutsch-türkischen Regierungskonsultationen hat Kanzlerin Merkel die Hoffnungen der Türkei auf einen baldigen EU-Beitritt gedämpft. Das Land sei aber ein wichtiger Partner.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)Foto: Reuters/Fabrizio Bensch

Eine Mitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union (EU) liegt ungeachtet der engeren Zusammenarbeit in der Flüchtlingspolitik aus Sicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch in weiter Ferne. "Da ist noch ein sehr langer Weg zu gehen", sagte Merkel in ihrem wöchentlichen Video-Podcast.

Auf die Frage, ob die Türkei erwarten dürfte, in zehn Jahren EU-Mitglied zu sein, sagte Merkel: "Ich glaube, dass man jetzt so eine Jahreszahl nennt, das ist angesichts des Standes, wo wir sind, nicht sachgerecht." Der Beitrittsprozess sei von beiden Seiten offen angelegt.

Der Anschlag von Istanbul, bei dem zehn Deutsche getötet wurden, habe gezeigt, "dass wir in diesem Kampf gegen den Terror zusammenstehen müssen", sagte Merkel. Unabhängig von den Anschlägen hätten beide Länder bei den ersten deutsch-türkischen Regierungskonsultationen in der kommenden Woche viele Themen wie etwa die Lösung des Syrien-Konflikts, bei dem die Türkei eine wichtige Rolle spiele. "Wir dürfen uns von den Terroristen nicht unsere Agenda verändern lassen", sagte die Kanzlerin weiter.

"Wenn wir sprechen, sprechen wir natürlich über alle Aspekte", sagte Merkel mit Blick auf die Beschränkungen der Meinungs-und Pressefreiheit in der Türkei sowie auf den Umgang mit der kurdischen Minderheit. "Wir waren sehr zufrieden, als es in den vergangen Jahren doch sehr hoffnungsvolle Signale aus dem Versöhnungsprozess mit den Kurden gab", sagte die Kanzlerin. "Es ist selbstverständlich das Recht der Türkei, auch gegen terroristische Aktivitäten der PKK vorzugehen, aber man muss aufpassen, dass auch die kurdische Bevölkerung wirklich vernünftige Chancen der Entwicklung hat – gerade auch die jungen Leute." (Tsp)