Politik : Anglisch

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

In der Psychoanalyse für den Hausgebrauch nimmt der Freud’sche Versprecher eine herausragende Position ein. Dass die Gattin morgens den Gatten schräg von der Seite anschaut, wenn der schweißgebadet berichtet, er habe im Traum mit einem Drachen gekämpft, kommt nur in populärwissenschaftlich gebildeteren Kreisen vor. Der Freud’sche Versprecher aber ist jedem geläufig: Einer sagt etwas anderes, als er sagen wollte, aber das, was er gesagt hat, ist viel sagend. Der Doktor Siegmund Freud hat den Versprecher unter andere ähnlich verräterische Fehlleistungen eingereiht. Demnach kann einer, der einen Namen vergisst, den Träger dieses Namens insgeheim nicht leiden. Offenbar kannte Freud keine Journalisten. So viele Leute, wie wir Namen vergessen, können wir gar nicht nicht leiden können. Aber das nur am Rande. Zu berichten ist hier von einem Phänomen, das wir der Fachwelt hiermit als Rätsel aufgeben. Die CDU-Chefin Angela Merkel ist dieser Tage in den USA gewesen. Sie hat dort mit ihren Gesprächspartnern meist Englisch geredet. Kein schlechtes Englisch, nur an wenigen Stellen ein bisschen – sagen wir: eigenwillig. Merkels Feststellung „There is an outway“ zum Beispiel hat fragende Gesichter hinterlassen, weil „Ausweg“ nun mal eher „way out“ heißt. Verblüfft aber hat uns ein anderer Satz. Zum Verständnis vorausgeschickt: „defend“ heißt „verteidigen“, „defeat“ hingegen „besiegen“. Sagen wollte Merkel, dass ein Land in der Lage sein müsse, sich zu verteidigen. Gesagt hat sie: „A country must be able to defeat its territory.“ Hiermit eine Frage an die Wissenschaft: Passieren Freud’sche Versprecher auch in Fremdsprachen?

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