Politik : Angolas schwarzes Gold

Das afrikanische Land wird angesichts knapper Ölreserven und steigender Preise immer wichtiger

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Der rasant gestiegene Ölpreis rückt einige afrikanische Länder ins Blickfeld, in denen zuletzt große Ölfelder entdeckt und zum Teil bereits erschlossen worden sind. Ganz obenan steht dabei Angola, das inzwischen hinter Nigeria zum Zweitgrößten Ölproduzenten in Schwarzafrika aufgestiegen ist. Angolas Ölförderung soll sich in den nächsten Jahren von 900 000 Barrel pro Tag auf zwei Millionen mehr als verdoppeln. Probebohrungen zufolge besitzt die frühere portugiesische Kolonie heute die reichsten Tiefseeölfelder der Region; seine Reserven sollen sogar größer als die von Kuwait sein.

Angesichts der Engpässe am Markt reißen sich derzeit ale um Angolas schwarzes Gold. Um den Preisanstieg einzudämmen, forderte die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) inzwischen sogar nicht zum Kartell gehörende Länder wie Angola auf, mehr Öl zu pumpen. Gegenwärtig verkauft Angola mehr als 40 Prozent seiner Förderung an die USA – und Washington will den Anteil an Ölimporten aus Afrika deutlich ausbauen, um die Abhängigkeit vom Nahen Osten zu mindern.

Bisher hat die angolanische Regierung ausländische Kredite fast ausschließlich gegen das Verpfänden künftiger Öllieferungen erhalten. Seit 1995 hat der südwestafrikanische Staat auf diese Weise mehr als acht Milliarden Dollar aufgenommen. Gleichzeitig gibt diese Praxis dem Regime in Luanda reichlich Gelegenheit, sich selbst zu bereichern, weil die Gelder leicht an der Staatskasse vorbeigeschleust werden können. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank ist genau dies in kaum vorstellbarem Maße geschehen: Allein im Jahre 2002 wurde demnach fast ein Drittel der angolanischen Regierungsausgaben außerhalb des Staatshaushalts getätigt.

Schlimmer noch: Nach Angaben einer Studie der Organisation Human Rights Watch vom Januar sind zwischen 1997 und 2002 mehr als vier Milliarden Dollar an staatlichen Öleinnahmen spurlos verschwunden. Der unauffindbare Betrag entspricht den gesamten Sozialausgaben in diesem Zeitraum, einschließlich der großen Summen, die Geberländer und private Spender zur Verfügung gestellt haben. Das heißt: Angola hätte alle Hilfsleistungen des Auslands leicht selbst finanzieren können, wenn das verschwundene Geld für die Bedürfnisse der Bevölkerung verwendet worden wäre.

Kein Wunder, dass IWF und Weltbank nun mit Nachdruck auf mehr Transparenz bei der Offenlegung der Öleinnahmen pochen. Beide Organisationen wollen verhindern, dass die Machthaber in Luanda auch künftig ihre Öleinnahmen gegen immer neue Kredite verpfänden und einen Gutteil des Geldes in die eigene Tasche stecken. Doch das Regime wehrt sich nach Kräften und versucht die von IWF und Weltbank angemahnten Reformen zu unterlaufen, indem es sich anderweitig Kredite verschafft – etwa in China.

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