Angriff auf BVB-Teambus : Polizei vermutet Islamisten als Attentäter von Dortmund

Nach dem Anschlag auf den Mannschaftbus von Borussia Dortmund ist ein Salafist festgenommen worden. Die Polizei fand am Tatort drei Bekennerschreiben.

von
Zum dem Spiel am Mittwochabend wurde das BVB-Team von der Polizei eskortiert.
Zum dem Spiel am Mittwochabend wurde das BVB-Team von der Polizei eskortiert.Foto: Reuters

Der Anschlag in Dortmund hat möglicherweise einen islamistischen Hintergrund. Die Polizei nahm Donnerstagmittag in Wuppertal einen Salafisten fest und durchsuchte seine Wohnung. Auch die Räume eines Islamisten nahe dem westfälischen Unna wurden durchsucht. Die Bundesanwaltschaft prüft, ob gegen den festgenommenen Wuppertaler ein Haftbefehl beantragt wird.

Die Explosion von drei mit Metallstiften gespickten Sprengsätzen am Mittwochabend traf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund, der zum Stadion unterwegs war. Mehrere Scheiben wurden zerstört. Im Fahrzeug erlitt der Spieler Marc Bartra eine schwere Verletzung am rechten Unterarm. Bartra musste im Krankenhaus operiert werden. Ein Polizist erlitt zudem ein Knalltrauma und einen Schock. Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Anschlag als „widerwärtige Tat“.

Das Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco wurde um einen Tag verschoben. Die am Dienstagabend bereits im Signal Iduna Park eingetroffenen Fans hatten das Stadion ohne Panik verlassen.

Noch in der Nacht fand die Polizei am Tatort drei gleichlautende Exemplare eines Bekennerschreibens. Der anonyme Verfasser erwähnt „im Namen Allahs“ den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt, beschimpft Merkel und behauptet, alle ungläubigen Sportler und weitere Prominente „in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen“ stünden auf einer Todesliste der Terrormiliz „Islamischer Staat“. Gefordert wird zudem, Deutschland solle seine Tornado-Kampfflugzeuge aus Syrien abziehen und der US-Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein müsse geschlossen werden. Auch die islamistische Sauerland-Gruppe hatte 2007 einen Anschlag auf die Militärbasis geplant.

Das BKA befürchtet weitere Anschläge

Angesichts der Erwähnung des IS ermittelt die Bundesanwaltschaft nicht nur wegen versuchten Mordes, sondern auch wegen des Anfangsverdachts auf die Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung. Sicherheitskreise schließen jedoch nicht aus, Rechtsextremisten könnten den Anschlag verübt haben und wollten mit dem Bekennerschreiben die Verantwortung den verhassten Islamisten zuschieben.

Da die Täter noch nicht ermittelt sind, befürchtet das Bundeskriminalamt, weitere Anschläge könnten bevorstehen. Bundesweit sei „mit dem Eintritt eines weiteren schädigenden Ereignisses mit hoher Wahrscheinlichkeit zu rechnen“, heißt es in einem Vermerk des BKA vom Mittwoch. In seinem „Prognosemodell“ zur Terrorgefahr bewertet das BKA die aktuelle Lage mit der zweithöchsten Stufe. Das gehe aus einer Lageanalyse der Behörde hervor, heißt es in Sicherheitskreisen. Die Vorgehensweise des Täters oder der Täter wird allerdings als „atypisch zu dem bislang hier bekannten Modus Operandi islamistischer Tätergruppierungen“ bezeichnet. Üblicherweise bekennen sich islamistische Terroristen im Internet zu ihrer Tat und hinterlassen am Tatort keine Bekennerschreiben. Der IS hat sich bislang zum Anschlag in Dortmund nicht geäußert.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

1 Kommentar

Neuester Kommentar