Angriff auf Muslime in London : Das ist die berüchtigte Moschee am Finsbury Park

Der Angriff mit einem Lieferwagen in London richtete sich offenbar direkt gegen Muslime an der Finsbury-Park-Moschee. Die Polizei spricht von einem Terroranschlag.

Die Finsbury-Park-Moschee in London.
Die Finsbury-Park-Moschee in London.Foto: Reuters/Hannah McKay

Die Finsbury-Park-Moschee im Norden Londons ist nach Polizeiangaben Ziel eines "Terroranschlags" mit mindestens zehn Verletzten und womöglich einem Toten geworden, als ein Mann einen Lieferwagen in eine Gruppe von Muslimen lenkte. In den 1990er Jahren wurde die Moschee nahe dem gleichnamigen Finsbury Park international bekannt. Seit 1995 war der Imam in dem roten Ziegelbau mit Minarett der frühere Afghanistan-Kämpfer Abu Hamza. Der Einäugige machte nicht nur mit seiner Metallhaken-Prothese an der rechten Hand von sich reden, sondern vor allem mit Brandreden gegen den "amerikanischen Satan".

Unter Hamza spielte die Moschee bei der Radikalisierung junger Muslime eine wichtige Rolle. Zu ihren Besuchern gehörten etwa der britische "Schuhbomber" Richard Reid sowie der Franzose Zacarias Moussaoui, der an den Vorbereitungen für die Terroranschläge vom 9. September 2001 beteiligt war. Bei einer nächtlichen Razzia im Jahr 2003 beschlagnahmten die Ermittler in der Moschee Waffen, rund hundert gestohlene oder gefälschte Pässe sowie Schutzanzüge gegen chemische Angriffe. Ein Jahr später wurde Hamza auf US-Antrag verhaftet.

Neue Leitung will schlechten Ruf ablegen

In London wurde er wegen Aufrufs zum Rassenhass und zu Mordanschlägen 2006 zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt. 2012 wurde er in die USA ausgeliefert, wo er drei Jahre später zu lebenslanger Haft wegen Verwicklung in eine Geiselnahme im Jemen und Unterstützung des Terrorismus in Afghanistan verurteilt wurde. Inzwischen ist die neue Leitung der Moschee bemüht, den Ruf als Hort des Islamismus abzulegen und die Moschee auch für Andersgläubige zu öffnen.

Ende 2014 erhielt die Moschee die prestigeträchtige "Visible Quality Mark" der britischen NGO Community Matters und war damit erst die dritte religiöse Institution, die mit dem Preis ausgezeichnet wurde. Labour-Chef Jeremy Corbyn, der in Islington North seinen Wahlkreis hat, lobte damals den Wandel der Moschee und die harte Arbeit der Verantwortlichen. Wenige Wochen nach den Attentaten von Paris im Januar 2015 nahm die Gemeinde an einem Tag der offenen Tür teil, der vom britischen Muslimrat MCB organisiert wurde.

Einer der Imame der Finsbury-Moschee, Mohammed Mahmoud, bei einem Statement am Montag.
Einer der Imame der Finsbury-Moschee, Mohammed Mahmoud, bei einem Statement am Montag.Foto: AFP/Isabel Infantes

"Wir arbeiten daran, unsere Moschee und unsere Aktivitäten für die Allgemeinheit zu öffnen", sagte einer der Moschee-Verwalter, Khalid Oumar. Trotz aller Bemühungen erhielt die Gemeinde nach den islamistischen Anschlägen von Paris zahlreiche Drohbriefe und -Mails. Nach dem mutmaßlichen Anschlag mitten im Fastenmonat Ramadan ist die Gemeinde nun "unter Schock", wie der Vorsitzende des Moscheevereins, Mohammed Kozbar, sagt: "Unsere Gedanken und Gebete sind mit denen, die getroffen wurden." (mes, AFP)

» Mehr lesen? Jetzt gratis Tagesspiegel testen!

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben