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Angriff auf Parteikongress : Versuchter Anschlag auf bulgarischen Politiker vereitelt

In Bulgarien ist ein Anschlag auf den Chef der türkischen Minderheitenpartei, Ahmed Dogan, vereitelt worden. Die Attacke mit einer Gaspistole kam vollkommen unerwartet und vor den Augen der Parteidelegierten während Dogans Rede beim Parteikongress.

Auf den Chef der türkischen Minderheitenpartei Bulgariens, Ahmed Dogan, ist am Samstag während des Parteikongresses ein Anschlag verübt worden. Der Angreifer wurde festgenommen, bevor er schießen konnte.
Auf den Chef der türkischen Minderheitenpartei Bulgariens, Ahmed Dogan, ist am Samstag während des Parteikongresses ein Anschlag...Foto: dpa

In Bulgarien hat ein Mann den Vorsitzenden der Partei der türkischen Minderheit auf offener Bühne mit einer Gaspistole angegriffen. Ahmed Dogan hielt auf dem Parteitag seiner Bewegung für Rechte und Freiheiten (MRF) am Samstag in Sofia gerade eine Rede, als ein junger Mann in Schwarz auf die Bühne sprang und die Waffe auf ihn richtete. Auf einem Video ist zu sehen, wie Dogan den Arm des Angreifers zur Seite drängen kann, ohne dass ein Schuss abgefeuert wird. Im anschließenden Handgemenge fielen beide Männer auf den Boden. Der Angreifer soll sich mit einer gefälschten Karte als Delegierter ausgegeben haben.

Innenminister Tsvetan Tsvetanov sagte, bei der Pistole habe es sich um eine nicht-tödliche Gaspistole gehandelt. Zudem habe sie offenbar Ladehemmungen gehabt. Der Angreifer wurde als ein 25-jähriger Angehöriger der türkischen Minderheit aus der östlichen Stadt Burgas identifiziert. Laut der Polizei hatte der wegen Drogenbesitzes, Raubüberfällen und Rowdytum vorbestrafte Mann auch mehrere Messer bei sich. Vor seiner Festnahme wurde er von mehrere Delegierten des Parteitags misshandelt und blutig geschlagen.

Dogans liberale Bewegung für Rechte und Freiheiten (DPS) verurteilte „die Sprache des Hasses, der Konfrontation und der Aggression gegen die DPS in Bulgariens Gesellschaft“. Auch der Präsident der europäischen Liberalen, Graham Watson, der Gast der Konferenz war, zeigte sich besorgt über die politischen Zustände in dem EU-Land. Die in der Hauptstadt Sofia regierende bürgerliche GERB-Partei verurteilte den Anschlagversuch.

Die Konferenz der DPS im Kulturpalast wurde mehrere Stunden nach dem Vorfall wieder aufgenommen. Der 58-jährige Dogan, der die MRF seit ihrer Gründung vor 23 Jahren führt, kehrte am Abend unter Applaus auf den Parteitag zurück. Wie bereits zuvor geplant, verkündete er seinen Rücktritt vom Parteivorsitz – dies war allerdings in einer vor dem Anschlag geschriebenen Rede enthalten. „Diesmal ist meine Entscheidung kategorisch“, sagte Dogan. Er rief dazu auf, seinen Vize Lyutvi Mestan als seinen Nachfolger zu wählen. Er war von Dogan, der Ehrenvorsitzender bleibt, nominiert worden. Der Oppositionspolitiker spielte in den vergangenen Jahren eine wichtige Rolle in Bulgariens Politik, ist aber zutiefst umstritten. Kritikern gilt er als arrogant, autoritär und korrupt.

Die von Dogan gegründete Bewegung der türkischen Minderheit DPS ist im Parlament in Sofia und im EU-Parlament vertreten. Die DPS war bis Mitte 2009 an einer sozialliberalen Koalitionsregierung in Sofia beteiligt. Dogan galt als einer der einflussreichsten Politiker des Balkanlandes. Rund zehn Prozent von 7,3 Millionen Menschen in Bulgarien sind ethnische Türken. Sie besiedeln Gebiete im Nord- und Südosten Bulgariens. (dpa/AFP)

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