Politik : Angriff auf Touristenhochburg in Sri Lanka

Mindestens 17 Menschen bei Anschlag getötet – kein Urlauber darunter / Experten: Guerilla will Position für Verhandlungen stärken

Christine Möllhoff

Colombo/Neu-Delhi - Auf Sri Lanka wächst die Sorge, dass die Tamilenrebellen der LTTE den Krieg nun auch in die Urlaubsgebiete tragen. Erstmals seit Beginn der Waffenruhe 2002 griffen sie am Mittwoch ein Ziel in einer Touristenhochburg an. Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Marinebasis in der Touristenhochburg Galle im Süden der Tropeninsel wurden mindestens 17 Menschen getötet. Nach Armeeangaben handelte es sich bei den Toten um 15 LTTE-Kämpfer, einen Soldaten und einen Zivilisten. 26 Menschen seien verletzt worden. Touristen waren nicht betroffen.

Laut Militär hatten fünf als Fischtrawler getarnte Boote der LTTE versucht, in den Hafen einzudringen. Die Marine habe drei Boote versenkt, zwei hätten die Rebellen im Hafen in die Luft gejagt. Einige Rebellen hätten das Land erreicht und die Marinebasis mit Panzerfäusten beschossen. Die LTTE behauptete, 22 Soldaten seien dabei getötet worden. Die Marinebasis liegt am Stadtrand und nicht in der Nähe von Hotels.

Galle mit seinem historischen Holländerfort ist ein beliebtes Reiseziel bei Touristen. Die Reisebranche zeigte sich am Mittwoch entsprechend alarmiert. Der Reisekonzern Tui nahm Galle umgehend aus dem Ausflugs- und Rundreiseprogramm. Die Reiseveranstalter Dertour und Meier’s Weltreisen boten für Reisen nach Sri Lanka kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen bis zum Abreisetag 31. Oktober an.

Bislang war der touristische Süden von Gewalt faktisch verschont geblieben, die Kämpfe beschränkten sich weitgehend auf den Norden und Osten der Insel. Lediglich in der Hauptstadt Colombo war es wiederholt zu Anschlägen gekommen. Galle liegt rund 120 Kilometer südlich von Colombo.

Nach dem Anschlag kam es zu Panik und Ausschreitungen in der 91 000 Einwohner großen Stadt. Singhalesen griffen die Läden tamilischer Händler an. Die Behörden verhängten eine Ausgangssperre, Polizisten und Soldaten wurden postiert. Die Luftwaffe flog Bombenangriffe auf Rebellengebiet im Nordosten. Laut LTTE wurden eine Frau getötet und zwei Menschen, darunter ein zehn Jahre altes Kind, verletzt.

Trotz der Gewalt erklärte die Regierung, sie halte an den für Ende Oktober in Genf vereinbarten Gesprächen mit der LTTE fest. Experten glauben, dass die Rebellen mit der jüngsten Anschlagswelle ihre Verhandlungsposition stärken wollen. Bei den Kämpfen der vergangenen Monate hatte das Militär weitgehend die Oberhand behalten. Als Reaktion kehrt die LTTE nun offenbar zur alten Guerillataktik zurück und schlägt aus dem Hinterhalt zu. Am Montag waren bereits 100 Marinesoldaten bei einem Selbstmordanschlag getötet worden.

Die LTTE kämpft seit mehr als 20 Jahren für mehr Selbstbestimmung im Norden und Osten der Insel. In dem Konflikt sind mehr als 65 000 Menschen ums Leben gekommen.

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