Politik : Angriff auf Umweltschützer in China

Nach kritischen Äußerungen zum Drei-Schluchten-Damm im ARD-Interview

Harald Maass[Peking]

Fu Xiancai war auf dem Weg von der Polizeistation nach Hause, als mehrere Männer ihn von hinten attackierten und brutal zusammenschlugen. Die Behörden hatten den Umweltschützer und Aktivisten gegen den Drei-Schluchten-Staudamm zuvor einbestellt, weil er in einem ARD-Interview den Damm kritisiert hatte. Der Fall zeigt, welchem Druck Umweltaktivisten in China bis heute ausgesetzt sind.

Die lebensgefährliche Attacke auf Fu ereignete sich in der vergangenen Woche im Kreis Zigui (Provinz Hubei), wurde jedoch erst am Dienstag bekannt. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights in China und nach ARD-Informationen wurde Fu von „Mitgliedern einer Schläger-Brigade“ zusammengeschlagen und liegt seitdem mit einer angebrochenen Wirbelsäule im Krankenhaus. Es bestehe die Gefahr, dass Fu gelähmt bleibe. Die Behörden verbieten der Familie und Reportern den Zugang zu ihm.

NDR-Intendant Jobst Plog, legte in einem Brief an den chinesischen Botschafter in Berlin scharfen Protest ein. „Es steht außer Zweifel, dass der Überfall ein Racheakt unter anderem wegen seiner Äußerungen im Deutschen Fernsehen war“, schrieb Plog. Er forderte die chinesische Regierung auf, dem „schwer verletzten Fu Xiancai jede notwendige und mögliche medizinische Versorgung“ zukommen zu lassen. Nach Angaben der Familie verlangt das Krankenhaus in Yichang eine Vorauszahlung von 80 000 Yuan, ansonsten werde die Behandlung eingestellt.

Fu hatte mehrfach Petitionen eingereicht, um für sein umgesiedeltes Dorf ausstehende Entschädigungszahlungen einzufordern. Für den umstrittenen Staudamm war mehr als eine Million Menschen zwangsweise umgesiedelt worden. Fu stand seit August 2005 unter Polizeibewachung, nachdem er gegen die Vergiftung seines Dorfes durch eine Papierfabrik protestiert hatte. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen hatte Fu mehrfach Todesdrohungen erhalten.

Pekings Regierung hatte in der vergangenen Woche in einem Weißbuch eine „anhaltende Verschlechterung“ der Umweltsituation des Landes eingestanden. Aus Angst vor Opposition erlaubt Pekings Regierung Umweltschutzgruppen wie Greenpeace nicht, sich formal in der Volksrepublik zu registrieren. Peking duldet aber in einigen Bereichen die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen. Allerdings werden Umweltschützer immer wieder drangsaliert und verhaftet.

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