Angriff : Helferinnen in Nordafghanistan getötet

Bei einem Überfall auf ihr Auto sind drei afghanische Mitarbeiterinnen einer internationalen Hilfsorganisation und ihr Fahrer erschossen worden. In Kabul herrscht dagegen angespannte Ruhe.

Kabul - Nach den schweren Ausschreitungen in Kabul sind in Nordafghanistan drei afghanische Mitarbeiterinnen einer internationalen Hilfsorganisation und ihr Fahrer getötet worden. Vier mutmaßliche radikal-islamische Rebellen hätten am Dienstag in der Provinz Dschawsdschan das Fahrzeug der Organisation Action Aid auf Motorrädern überholt und das Feuer auf die Insassen eröffnet, hieß es aus Sicherheitskreisen in Kabul. Es handele sich um den ersten direkten Angriff auf eine Hilfsorganisation in der Region. Die Bundeswehr übernimmt am Donnerstag das Kommando über die Internationale Schutztruppe Isaf in ganz Nordafghanistan.

Das afghanische Innenministerium bestätigte den Überfall. Der Tatort liegt den Angaben zufolge rund 100 Kilometer nordwestlich des neuen Bundeswehr-Feldlagers Masar-i-Scharif. In der nordostafghanischen Provinz Badachschan, in der die Bundeswehr ein so genanntes Wiederaufbauteam unterhält, wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen bei einem Bombenanschlag zwei afghanische Mitarbeiter einer amerikanische Consulting-Firma getötet und zwei ihrer ausländischen Kollegen verletzt. Die Nationalität der Verletzten war zunächst nicht bekannt.

Gespannte Ruhe in Kabul

Die Hilfsorganisation Action Aid hat ihren Hauptsitz im südafrikanischen Johannesburg. Bei der betroffenen Consulting-Firma handelt es sich den Angaben zufolge um das Unternehmen Padco, das in Badachschan unter anderem im Bereich Alternativen zum Drogenanbau arbeitet.

Einen Tag nach den schweren Ausschreitungen in Kabul herrschte am Dienstag in der afghanischen Hauptstadt gespannte Ruhe. Strategisch wichtige Punkte in der Stadt wurden von Soldaten und Polizisten kontrolliert. Das Hauptquartier der US-Streitkräfte blieb abgeriegelt, die Büros der Vereinten Nationen blieben geschlossen.

Grüne und Linke sehen "Gewaltspirale"

Nach den Unruhen in Kabul forderten Grüne und Linksfraktion von der Bundesregierung Informationen über die Lage der dort stationierten Bundeswehr-Soldaten. Die Entwicklung in Afghanistan ähnele allen Bekundungen zum Trotz immer mehr der Gewaltspirale im Irak, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, Ulrich Maurer, am Dienstag in Berlin.

Der Zusammenstoß eines US-Militärlastwagens mit Zivilfahrzeugen in Kabul hatte am Montag die schwersten Ausschreitungen in der afghanischen Hauptstadt seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 ausgelöst. Angaben der Regierung vom Montag zufolge starben bei dem Unfall sieben Afghanen. Eine offizielle Bestätigung über Tote bei den anschließenden Unruhen gab es auch am Dienstag nicht.

Karsai will Aufständische verfolgen und bestrafen

Der afghanische Präsident Hamid Karsai sagte am Montagabend in einer im Staatsfernsehen übertragenen Ansprache, die Randalierer würden verfolgt und bestraft. Die Aufrührer seien «Opportunisten und aufständische Elemente» gewesen, die einen Verkehrsunfall zum Vorwand genommen hätten, um das Land zu zerstören. Afghanistan werde das unter keinen Umständen dulden.

Karsai sagte, der US-Botschafter in Afghanistan habe sein Bedauern über den Unfall ausgedrückt. Die US-Streitkräfte hatten am Montag mitgeteilt, mindestens aus einem Armeefahrzeug heraus sei über die Menge hinweg in die Luft geschossen worden, als diese begann, sich am Unfallort feindlich zu verhalten. Ein Augenzeuge sagte dagegen, die Soldaten hätten in die Menge geschossen.

Größtes Bundeswehr-Feldlager außerhalb Deutschlands

Im Rahmen der Internationalen Schutztruppe Isaf sind derzeit 2850 deutsche Soldaten am Hindukusch stationiert. Deutsche Soldaten sollen nicht in den unruhigen Süden des Landes verlegt werden. Die Bundeswehr übernimmt stattdessen am Donnerstag das Kommando über die Isaf im gesamten Norden Afghanistans. Der Schwerpunkt des deutschen Einsatzes wird dafür von Kabul ins nordafghanische Masar-i-Scharif verlegt. Dort baut die Bundeswehr derzeit ihr größtes Feldlager außerhalb Deutschlands.

In Südafghanistan war es in den vergangenen zwei Wochen zu den schwersten Gefechten seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 gekommen. Mehr als 350 Menschen starben, darunter auch mehrere ausländische Soldaten.

(tso/dpa)

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