Angriff und Verteidigung : Das Netz als Schlachtfeld

Nach einer Serie von spektakulären Hackerangriffen reagiert US-Präsident Barack Obama - er will die Cybersicherheit stärken. Auch in Deutschland nimmt die Debatte immer mehr Fahrt auf.

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Hohe Dringlichkeit. Obama im Nationalen Cybersicherheitszentrum.
Hohe Dringlichkeit. Obama im Nationalen Cybersicherheitszentrum.Foto: imago/UPI Photo

In dieser Einschätzung sind sich deutsche, britische und amerikanische Sicherheitsdienste wohl einig. „Das Internet ist ein Schlachtfeld für Extremisten, Terroristen und für Spionage.“ So hat es Catrin Rieband, Vizepräsidentin des Bundesamts für Verfassungsschutz, am Mittwoch auf einem Cybersicherheitsforum der Bundesakademie für Sicherheitspolitik ausgedrückt. Allerdings dürften spätestens beim Thema Spionage die Gemeinsamkeiten enden. Denn seit den Enthüllungen von Edward Snowden ist klar, dass Briten und Amerikaner Deutschland nicht nur als Partner sehen, sondern auch als Ziel der Beobachtung. Gleichwohl sind Cyberangriffe für die westliche Welt, egal ob Staaten, gesellschaftliche Gruppen oder vor allem Unternehmen und kritische Infrastrukturen, eine Bedrohung, die hohen Schaden anrichten kann.

US-Präsident Barack Obama hat nun nach einer Serie von spektakulären Hackerangriffen einen Vorstoß zur Stärkung der Cybersicherheit unternommen. Mit einem neuen Gesetz will er Regierungsbehörden, Unternehmen und Verbraucher besser gegen Onlineattacken schützen und den Missbrauch von privaten Daten eindämmen. „Ausländische Regierungen, Kriminelle und Hacker stellen Amerikas Computernetzwerke tagtäglich auf die Probe“, sagte Obama. „Wir müssen denen, die uns schaden wollen, einen Schritt voraus bleiben.“ Obama verwies auf die vermeintlich von Nordkorea verübten Attacken auf das Filmstudio Sony und die vorübergehend von islamistischen Hackern übernommenen Twitter- und YouTube-Seiten des US-Militärs hin. Das Problem sei, dass die Regierung und der Privatsektor nicht immer so eng zusammenarbeiteten, wie sie sollten, sagte Obama. Das soll das neue Gesetz ändern. Unternehmen will er dazu verpflichten, innerhalb von 30 Tagen ihre Kunden über einen Datendiebstahl zu unterrichten. In Großbritannien hat Premierminister David Cameron wiederum die verschlüsselte Kommunikation im Blick. „Wollen wir in unserem Land wirklich Kommunikation zulassen, die wir im Extremfall nicht mitlesen können, selbst wenn wir einen vom Home Secretary persönlich unterschriebenen Beschluss haben? (...) Meine Antwort auf diese Frage ist: Nein, das müssen wir nicht.“ Für Messenger-Dienste wie WhatsApp wäre das ein Problem, weil diese verschlüsselte Kommunikation anbieten.

In Deutschland ist so ein Verbot nicht zu erwarten. Hier geht die Diskussion in eine andere Richtung. „In Deutschland nutzen eher die Falschen, die Kriminellen, die Verschlüsselungstechnologie“, sagte Michael Hange, Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, auf dem Cybersicherheitsforum. Verfassungsschutz-Vize Catrin Rieband wies auf die enorme Flexibilität von Extremisten und Terroristen im Netz hin. Sie passten sich neuen Möglichkeiten schnell an. Vor allem der „Islamische Staat“ nutze das Netz besonders für Propaganda- und Rekrutierungszwecke. „Wir müssen da Schritt halten“, mahnt sie. Es sei deshalb wichtig, dass man international kooperiere, aber auch verschiedene Akteure kontrolliere. Dafür müsse man Ressourcen aufbauen.

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