Politik : Angst in Afrika

Dort, wo im Süden viele Zugvögel überwintern, wären die Veterinärdienste mit dem Virus überfordert

Dagmar Dehmer

Berlin - In Thailand ist ein 48-Jähriger Züchter von Kampfhähnen an der Vogelgrippe gestorben. Sein siebenjähriger Sohn ist mit grippeähnlichen Symptomen in ein Krankenhaus verlegt worden. Ebenfalls am Donnerstag bestätigte Taiwan, dass es ein Containerschiff mit Geflügel beschlagnahmt habe. Bei insgesamt 1000 Tieren in dieser Lieferung sei dann das gefährliche Virus H5N1 nachgewiesen worden. Die Behörden in Taiwan gehen davon aus, dass der Container auf einem in Panama registrierten Schiff aus China eingeschmuggelt wurde. Erst am Mittwoch hatte China einen Ausbruch auf einem Hof in der Mongolei bekannt gegeben. 2600 Hühner, Gänse und Pfauen seien verendet.

Thailands Ministerpräsident Thaksin Shinawatra sagte dem britischen Sender BBC: „Der Mann ist infiziert worden, weil er ein krankes Huhn gegessen hat.“ Sollte es tatsächlich so gewesen sein, hätte sich die Aussage der Gesundheitsexperten, dass der Verzehr von Fleisch sicher sei, als falsch erwiesen. Bisher wurde lediglich dazu geraten, das Fleisch auf mindestens 70 Grad zu erhitzen und auch Eier nur hartgekocht zu essen.

In Deutschland löst besonders der Fall in Tula, rund 220 Kilometer südlich von Moskau, Sorge aus. Nach Angaben des Vogelschutzexperten des Nabu, Markus Nipkow, ist aus dieser Region „noch ein nennenswerter Vogelzug über und nach Deutschland zu erwarten“. Viele Saatgänse überwinterten sogar in Deutschland, in der norddeutschen Tiefebene oder auch in Brandenburg. Allerdings schränkte Nipkow ein: „Niemand weiß derzeit, wie weit ein mit dem H5N1-Virus infizierter Vogel fliegen kann. “ Deshalb wisse auch keiner, ob es ein neues Risiko gebe, wenn die Tiere von Ende Februar an wieder in ihre Brutgebiete im Norden ziehen.

Nachdem das Virus Europa erreicht hat, wird auch in Afrika mit seiner Ankunft gerechnet. Schließlich fliegen viele Zugvögel zum Überwintern nach Afrika. Kenia und Kongo haben ein Importverbot für alle Vogelprodukte aus Risikoländern erlassen. Außerdem sollen die demnächst eintreffenden Wasservögel genau beobachtet werden. In Südafrika werden Vogelexkremente gesammelt und auf das Virus getestet. „Genau das ist jetzt nötig“, sagt der Sprecher der Welternährungsorganisation FAO, Erwin Northoff. Allerdings seien die Veterinärdienste in Afrika chronisch schwach. „Es ist dringend nötig, jetzt in die tierärztliche Infrastruktur zu investieren.“ Dafür brauche die FAO rund 175 Millionen Euro, 30 Millionen seien bisher überwiesen worden. FAO-Chefveterinär Joseph Domenech sagt: „Eine unserer Hauptsorgen ist, dass die Vogelgrippe sich durch den Vogelzug in Nord- und Ostafrika ausbreiten könnte.“ Da auch in Afrika Mensch und Tier in direktem Kontakt miteinander lebten, könnte Afrika „zum idealen Nährboden für das Virus werden“, sagt er. Und da die Tiere oft der einzige Besitz der Menschen sind, dürfte es den Behörden schwer fallen, die Besitzer zu überzeugen, dass ihre Hühner vorsorglich getötet werden müssen, um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern.

Sollte sich der Erreger so verändern, dass er auch von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte, befürchten Gesundheitsexperten eine Pandemie mit weltweit Millionen Toten. Allerdings schränkt Ian Simpson, Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein, dass die Vogeldichte in Afrika nicht annähernd so groß sei wie in Südostasien. Sollte es aber in Afrika zu einer Grippeepidemie kommen, wäre der Kontinent denkbar schlecht vorbereitet. Simpson sagt: „Es gibt ohnehin große Gesundheitsprobleme.“ Mit der Aidsepidemie oder Malaria seien die Gesundheitssysteme überlastet. Was Simpson irgendwie beruhigend findet, ist, dass die Afrikaner Erfahrung in der Bewältigung von Krisen hätten. „Sie tun das jeden Tag.“

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