Politik : Angst vor al Qaida in der Sahara

Serie von Anschlägen gegen Franzosen in Niger und Mali

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Berlin - Die mutmaßlich terroristischen Angriffe auf Franzosen in Niger und Mali beunruhigen die deutschen Behörden. Das Auswärtige Amt prüft, ob es seine Reise- und Sicherheitshinweise für beide Länder „anpassen sollte“, sagte ein Sprecher am Montag dem Tagesspiegel. Bislang wird für Niger und Mali nur eine „Teilreisewarnung“ ausgesprochen, die bestimmte Provinzen betrifft. Nun überlegt das Amt, ob es von Reisen nach Niger und Mali generell abraten sollte. Anlass sind die Attacken seit Jahresbeginn auf Franzosen in den Hauptstädten Niamey und Bamako. Sicherheitsexperten warnen zudem vor einer schon länger zu beobachtenden Eskalation in den Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und der nordafrikanischen Filiale von Al Qaida, die sich „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (AQM) nennt.

Vergangenen Freitag hatten Entführer, die offenbar AQM zuzurechnen sind, die Franzosen Antoine de Léocour und Vincent Delory aus einem Restaurant in Niamey verschleppt. Die nigrische Armee verfolgte die Geiselnehmer, die sich in Richtung Mali absetzten. Es kam zu Feuergefechten, hinterher fanden die Soldaten die Leichen von de Léocour, Delory und mehreren Entführern. Der französische Verteidigungsminister Alain Juppé beschuldigte die Geiselnehmer, sie hätten seine Landsleute erschossen. De Léocour wollte kommende Woche in Niger eine Einheimische heiraten, dazu war sein Freund Delory angereist.

Am 6. Januar bereits hatte ein Tunesier vor der französischen Botschaft in der malischen Hauptstadt Bamako eine Gasflasche detonieren lassen. Drei Personen erlitten leichte Verletzungen, die Polizei nahm den Täter fest. Er bezeichnet sich als Mitglied von AQM. Die Angriffe von Bamako und Niamey sind Teil einer Anschlagsserie, die Al-Qaida-Chef Osama bin Laden im Oktober mit Drohungen gegen Frankreich befeuert hatte.

Al Qaida begründet den Hass unter anderem mit dem Burka-Verbot in Frankreich und den Schlägen, die mauretanisches Militär 2010 mit französischer Hilfe den Terroristen in Mali versetzte. Sicherheitskreise sehen auch eine wachsende Gefahr für deutsche Touristen und verweisen auf die Entführung von Marianne Petzold 2009 im Grenzgebiet von Niger und Mali. Die Rentnerin kam nach vier Monaten frei; vermutlich wurde ein Lösegeld gezahlt. Der Fall erinnert zudem an die monatelange Leidenszeit deutscher und anderer Motorradfahrer, die 2003 in der algerischen Sahara von Islamisten verschleppt wurden. Inzwischen warnt in Berlin die Stiftung Wissenschaft und Politik vor einer „Destabilisierung der Sahelstaaten“ durch die verstärkte Präsenz von AQM in Verbindung mit organisierter Kriminalität und ethnischen Konflikten. Ein schwacher Trost: Mit den Unruhen, die derzeit algerische und tunesische Städte erschüttern, haben die Terroristen nach Ansicht der Experten nichts zu tun.

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