• Angst vor den Gotteskriegern Noch ist ungeklärt, wer hinter den Anschlägen in Usbekistan steckt

Politik : Angst vor den Gotteskriegern Noch ist ungeklärt, wer hinter den Anschlägen in Usbekistan steckt

Elke Windisch[Moskau]

Mindestens 42 Tote in drei Tagen – Usbekistan kommt nicht zur Ruhe. Bei der Suche nach den Tätern sind die Behörden in dem zentralasiatischen Land noch unsicher. „Selbstverständlich könnte das Al Qaida sein“, sagte der Leiter der Anti-Terror-Einheit im usbekischen Innenministerium, Ilja Pagai, der Nachrichtenagentur AFP. Derartige Anschläge „bringen die Ausländer den Leuten bei“, fügte er zur Begründung hinzu.

Ermittler in der Hauptstadt Taschkent hatten die Anschläge zunächst einer Organisation angelastet, die Präsident Islam Karimow und dessen US-Sicherheitspartner für längst erledigt hielten – der Islamischen Bewegung Usbekistans (IMU), deren erklärtes Ziel die Errichtung eines islamischen Gottesstaates in ganz Zentralasien ist. Offenbar, so die Vermutung, wollte die IMU mit den Anschlägen im Vorfeld der Parlamentswahlen auf sich aufmerksam machen. Karimow hatte die militanten Islamisten stets als Vorwand für die brutale Verfolgung der gesamten Opposition missbraucht und mit angeblichen Erfolgen bei der Bekämpfung der islamischen Gefahr die Demokratiedefizite Usbekistans gerechtfertigt.

So wurde die weltliche Opposition mundtot gemacht und weitgehend ins Exil gezwungen. Massenverhaftungen und Beschränkungen der Glaubensfreiheit – in offiziellen Moscheen dürfen nur staatstreue Imame predigen – sorgten zudem für die wachsende Radikalisierung der IMU und der ebenfalls verbotenen islamischen Partei Hisb ut-tahrir, die sich anfänglich für einen gewaltlosen Systemwechsel einsetzte. Um beiden Gruppen die Basis im Volk zu entziehen, wurden im Sommer 2001 sogar ganze Bergdörfer im Süden zwangsumgesiedelt.

Zwar gingen die USA und Karimow davon aus, dass der Großteil der IMU-Kontingente während der Anti-Terror-Operation in Afghanistan aufgerieben wurde. Experten dagegen befürchteten, die IMU hätte ihre Basen lediglich in die Nordwestterritorien Pakistans an der Grenze zu Afghanistan verlegt, die von der Regierung in Islamabad kaum kontrolliert werden. Ob die IMU tatsächlich hinter der Anschlagserie steckt, ist inzwischen wieder offen. „Wir wissen es nicht“, heißt es vom Außenamt in Taschkent.

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