Politik : Angst vor Krawallen in Frankreich Nach dem Tod

von zwei Jugendlichen

Albrecht Meier

Berlin - Die Nachricht musste für die Politiker in Frankreich wie ein Alarmsignal wirken: Am Sonntag starben der 15-jährige Moushin und der 16-jährige Larami, nachdem sie an einer Kreuzung im Pariser Vorort Villiers-le-Bel auf ihrem Motorrad mit einem Polizeiwagen zusammengestoßen waren. Kurz darauf steckten aufgebrachte Jugendliche Gebäude und Fahrzeuge in Brand; zwei Polizeiwachen wurden verwüstet. Auch am Montagabend wurden dort erneut Polizisten mit Feuerwerkskörpern angegriffen. Die Sicherheitskräfte schossen mit Tränengas, Schreckschussmunition und Farbpatronen zurück. Ein Auto, ein Müllwagen und ein Polizeifahrzeug wurden angezündet.

Bereits vor zwei Jahren gehörte Villiers-le-Bel zu den Vororten, in denen heftige Krawalle aufflammten. Die Auseinandersetzungen führten damals zu einer neuerlichen Debatte über die Integration von Jugendlichen maghrebinischer und schwarzafrikanischer Herkunft. Im Oktober 2005 waren zuvor zwei Jugendliche bei Paris auf der Flucht vor der Polizei ums Leben gekommen. Im aktuellen Fall gaben die Polizeigewerkschaft FO und Augenzeugen an, dass die Jugendlichen, die mit ihrem Geländemotorrad unterwegs waren, den Unfall verschuldet hätten.

Der sozialistische Bürgermeister der Vorstadt, Didier Vaillant, forderte eine „unparteiische Untersuchung“. Auch die Regierung reagierte schnell. Präsident Nicolas Sarkozy verlangte während seiner Chinareise, die Justiz bei der Aufklärung des Falles in Ruhe arbeiten zu lassen. Innenministerin Michèle Alliot-Marie sagte, dass sie die Trauer der Familien der getöteten Jugendlichen nachvollziehen könne. Sie wolle deren Familien sowie die der Polizisten und Feuerwehrleute treffen, die bei den Krawallen vom Sonntag verletzt wurden. Bei den Unruhen vor zwei Jahren war es erst nach längerem Hin und Her zu einer Begegnung des damaligen Innenministers Sarkozy mit den Familien der getöteten Einwandererkinder gekommen. Albrecht Meier

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