Politik : Angst vor Sarkawis Schläfern

Terrorist soll Kämpfer ausgebildet haben / Sicherheitsdienste warnen schon lange vor Irak-Rückkehrern

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Amman/Berlin - Der am Mittwoch bei einem amerikanischen Angriff im Irak getötete Abu Mussab al Sarkawi soll kurz vor seinem Tod mehrere hundert Kämpfer geworben haben. Sie sollten jedoch nicht als Selbstmordattentäter im Irak selbst eingesetzt werden, sondern Sarkawi soll die jungen Männer nach einer Terrorausbildung im Land in ihre Heimatländer zurückgeschickt haben. Rund 300 Kämpfer sollen als Schläfer in verschiedenen Ländern auf Sarkawis Befehle für Terroranschläge warten, berichtet die „New York Times“. Die Informationen beruhen offenbar auf Erkenntnissen des jordanischen Geheimdienstes. Sarkawi war Jordanier und war dort auch an einem großen Terroranschlag in Amman beteiligt.

Schon seit Jahren befürchten Sicherheitsbehörden in den USA und in Europa, dass der Irak zu einem Trainingslager für Terroristen geworden sein könnte. Schon vor zwei Jahren warnte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, vor der Rückkehr islamistischer Söldner aus dem Irak. Damals sagte er dem Tagesspiegel: „Wir machen uns Sorgen, weil Leute mit Kampferfahrung Kristallisationspunkt gewaltbereiter Gruppen sein können. Fromm verwies auf die einschlägigen Erfahrungen mit Islamisten, die in Afghanistan ein Training beim Al-Qaida-Netzwerk absolviert hatten. Auch über Taliban-Kämpfer in Afghanistan berichten einige Geheimdienste, sie seien im Irak ausgebildet worden, um nach der Rückkehr mit ähnlichen Strategien wie die Sarkawi-Truppe gegen die Isaf-Schutztruppe und die amerikanischen Besatzungssoldaten zu kämpfen.

Der „New York Times“ zufolge wissen US-Sicherheitsdienste von Terroristen, die aus arabischen Ländern nach Irak strömen. Als Herkunftsländer werden Saudi-Arabien und Ägypten genannt. Einige dieser Kämpfer könnten wieder in ihre Heimatländer zurückgeschickt worden sein. Allerdings hatten die Sicherheitsdienste die Zahl mit deutlich unter 300 geschätzt. Die „New York Times“ zitierte ein früheres Mitglied des nationalen Sicherheitsrats mit den Worten: „Nach meinem Eindruck wäre der nächste Schritt die Mobilisierung von Kämpfern für Angriffe in Europa gewesen. Das ist ein Grund, warum ich denke, dass Sarkawis Tod einen Unterschied macht.“

Die Gewalt im Irak ging auch nach Sarkawis Tod nahezu unvermindert weiter. Bei der Explosion einer Autobombe wurden am Sonntagabend in Bagdad mindestens vier Menschen getötet und 16 verletzt. Die Bombe detonierte nach Polizeiangaben gegen 20 Uhr in einem Stadtbezirk, wo sich viele Geschäfte befinden. Unter den Menschen, die ihre abendlichen Einkäufe erledigten, brach Panik aus.Ein Selbstmordattentäter sprengte sich knapp eine Stunde später an einem Kontrollposten der irakischen Streitkräfte bei Bakuba in die Luft und riss mindestens acht Menschen mit in den Tod. Tsp/AFP

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