Anja Niedringhaus : Todesstrafe für Mörder von deutscher Kriegsfotografin

Ein Gericht in Kabul hat einen Polizisten des Mordes an Anja Niedringhaus schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Die Kriegsfotografin war im April in Afghanistan ums Leben gekommen.

Die deutsche Kriegsfotografin Anja Niedringhaus wurde 48 Jahre alt
Die deutsche Kriegsfotografin Anja Niedringhaus wurde 48 Jahre altFoto: dpa

Ein afghanischer Polizist ist am Donnerstag wegen der tödlichen Schüsse auf die deutsche Fotografin Anja Niedringhaus in erster Instanz zum Tode verurteilt worden. Das Gericht in Kabul befand den Polizisten des Mordes und des Amtsmissbrauchs für schuldig, hieß es nach offiziellen Angaben.

Die 48-jährige Fotografin war Anfang April durch die Schüsse des Polizeioffiziers in der Unruheprovinz Chost getötet worden. Gemeinsam mit ihrer kanadischen Journalisten-Kollegin Kathy Gannon (60) sie in einem Autokonvoi gesessen, als ein mutmaßlicher Polizis sich dem Wagen näherte und mit den Worten "Allahu Akbar" (Gott ist größer) das Feuer eröffnete. Anschließend ließ sich er sich widerstandslos verhaften. Niedringhaus war sofort tot, Gannon überlebte schwer verletzt und wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Niedringhaus war in Afghanistan unterwegs, um über die Wahlen zu berichten. Das Urteil werde noch durch eine weitere Instanz geprüft, sagte der stellvertretende Gouverneur der Provinz Khost. Der Verurteilte habe 15 Tage Zeit, Revision einzulegen.

Die Fotografin Anja Niedringhaus
Eins der letzten Fotos von Anja Niedringhaus, entstanden am letzten Sonntag, den 30. März. Ein afghanischer Teppichhändlert hält in seinem Laden in Kabul ein Bild von Präsident Hamid Karzai hoch.Weitere Bilder anzeigen
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05.04.2014 08:58Eins der letzten Fotos von Anja Niedringhaus, entstanden am letzten Sonntag, den 30. März. Ein afghanischer Teppichhändlert hält...

Anja Niedringhaus hatte über zwei Jahrzehnte in Afghanistan, Pakistan, Libyen, Nahost und Bosnien gearbeitet; auch Sportfotos hat sie regelmäßig gemacht. Für ihre Irak-Reportagen gewann sie mit einem AP-Team 2005 den Pulitzerpreis. Ihre Bilder zeigen den Alltag des Krieges, den menschlichen Moment in unmenschlichen Zeiten. Den Busfahrer, der vor der Kühlerhaube zum Gebet niederkniet. Männer im teppichbehängten Teehaus mit Blechofen, die einer Wahlsendung auf dem Flatscreen folgen. Einen afghanischen Familienvater, mit fünf Kindern auf dem Moped. Oder, noch ein Bild aus Kabul, einen Jungen auf dem Kettenkarussell, der mit einer Spielzeug-MP feuert. (dpa/Tsp)

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