Politik : Ankara bricht sein Schweigen

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Das seltsamste Paar des Nahen Ostens durchlebt die schwerste Krise seiner Beziehung. Seit fast zehn Jahren sind die moslemische Türkei und das jüdische Israel enge Partner – verbunden durch eine intensive militärische Kooperation und durch den gemeinsamen Anspruch, Vorposten des Westens und der Demokratie zu sein. Die jüngsten israelischen Offensiven gegen die Palästinenser stellen diese Partnerschaft nun aber auf eine harte Probe. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan brandmarkte die israelischen Militäreinsätze im Gazastreifen öffentlich als „Staatsterror“.

Zur Verärgerung der islamischen Welt hatte die moslemische, aber säkulare Türkei 1996 ein Militärabkommen mit Israel geschlossen. Es bildet den Grundstein der strategischen Partnerschaft beider Staaten. Israel und die Türkei arbeiten aber nicht nur auf dem Militärsektor eng zusammen. Noch in diesem Jahr soll die Lieferung von Trinkwasser aus der Türkei an Israel beginnen.

Doch die jüngsten israelischen Vorstöße gegen die Palästinenser lassen die Partnerschaft wanken. In Istanbul demonstrierten moslemische Gläubige und linksgerichtete Gruppen gegen Israel. Erdogans Außenminister Abdullah Gül sprach von negativen Folgen für das türkischisraelische Verhältnis. Seit Monaten bekommen israelische Spitzenpolitiker in Ankara keine Termine mehr. Bei aller Kritik an den Israelis macht Erdogan aber klar, dass er mit seinen Vorwürfen auf die israelische Regierung zielt, nicht auf das Verhältnis zum jüdischen Staat an sich. Was aus türkischer Sicht für eine Gesundung der Beziehungen gebraucht wird, ist eine neue israelische Politik in den besetzten Gebieten – oder eine neue israelische Regierung.

Die jetzige Regierung ist laut Medienberichten indes entschlossen, die Militäreinsätze in Rafah im Gazastreifen auch nach Beendigung der „Operation Regenbogen“ fortzusetzen. Wie palästinensische Sicherheitskreise mitteilten, sind im Umkreis der Stadt und im Grenzbereich zu Ägypten weiterhin zahlreiche israelische Panzer stationiert. Ein israelischer Armeesprecher hatte die Offensive am Montagabend für beendet erklärt. „Rafah wird uns weiter beschäftigen, wir werden jedes Mal eindringen, wenn wir Informationen über einen neuen Schmugglertunnel bekommen“, zitierte der Online-Dienst der Zeitung „Jediot Achronot“ einen hochrangigen Offizier. mit dpa

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