Politik : Ankara gibt Europa Mitschuld an den Brandanschlägen

Regierungssprecher greift konservative Parteien der EU an / Bonn setzt auf Beruhigung und will die Türkei einbinden ANKARA/BERLIN (AFP/ps).Die türkische Regierung hat am Mittwoch den Chefs der europäischen konservativen Parteien eine Mitschuld am tödlichen Brandanschlag in Krefeld gegeben.Mit ihren Äußerungen über kulturelle und religiöse Unterschiede zwischen Europa und der Türkei hätten sie den Boden für Anschläge bereitet, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Ankara, Akbel.Der Staatsminister im Auswärtigen Amt Helmut Schäfer (FDP) zeigte sich im Gespräch mit dem Tagesspiegel zuversichtlich, daß die gegenwärtige Krise überwunden werde.Deutschland befürworte weiterhin die enge Einbindung der Türkei in Europa. -Akbel sagte, die europäischen Politiker hätten die Ausländerfeinde indirekt zu "unmenschlichen Aggressionen" ermutigt, denen in Holland und Deutschland in wenigen Tagen neun Türken zum Opfer fielen.Die Botschafter beider Länder seien einbestellt und aufgefordert worden, die Sicherheit der Türken zu gewährleisten.Auch die türkische Presse griff die Bundesregierung an.Die liberale Tageszeitung "Yeni Yüzyil" schrieb, Bundeskanzler Kohl solle nicht vergessen, "daß Hitler den Holocaust unter dem Vorwand begonnen hat, daß die Juden nicht zu Europa gehören." Bonn wies die Vorwürfe zurück."Voreilige Schuldzuweisungen sollten unterbleiben", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Herbert Schmülling in Bonn.Die Staatsanwaltschaft habe noch keine Hinweise auf einen ausländerfeindlichen Hintergrund der Tat. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt Helmut Schäfer (FDP) bezeichnete den Eindruck, Deutschland sei die treibende Kraft gegen eine türkische EU-Mitgliedschaft, als falsch.Gerade weil Deutschland Anwalt einer stärkeren Kooperation sei, könne es zu enttäuschten Reaktionen in der Türkei kommen, wenn Fortschritte ausblieben, sagte er dem Tagesspiegel: "Von uns erwartet man in der Türkei eben am meisten." Ankara kenne die Vorbehalte der EU genau: "Es geht um Menschenrechte, die Kurdenfrage und die Beziehungen zu Griechenland." Das Argument, die Türkei gehöre nicht zum christlich-abendländischen Kulturkreis, bezeichnete Schäfer als "Unfug".Bonn werde sich für eine verstärkte Zusammenarbeit der EU mit der Türkei einsetzen, kündigte Schäfer an."Das muß über die Zollunion hinausgehen, denn von der hat die Türkei bislang nur Nachteile gehabt."

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