Politik : Ankara sieht sich als "Beschützer der Moslems"

THOMAS SEIBERT

ISTANBUL .Die Türkei bereitet sich auf die Aufnahme mehrerer tausend Flüchtlinge aus der umkämpften serbischen Provinz Kosovo vor.Seit Wochenbeginn seien am Grenzübergang Kapikule im Nordwesten der Türkei rund 2000 überwiegend türkischstämmige Flüchtlinge eingetroffen, davon mehr als 500 seit dem Beginn der NATO-Luftangriffe gegen Jugoslawien am Mittwoch abend, teilten die Behörden am Donnerstag mit.Staatspräsident Süleyman Demirel betonte, die Türkei sei auf die Aufnahme einer "ersten Welle" von Flüchtlingen vorbereitet.Unter den Flüchtlingen waren viele Kinder, deren Eltern in Kosovo zurückgeblieben waren.Viele von ihnen haben Verwandte oder Freunde in der Türkei, bei denen sie unterkommen wollen; in Kosovo leben bis zu 70.000 Menschen türkischer Abstammung.

Die Türkei beteiligt sich als NATO-Mitglied mit insgesamt elf in Italien stationierten Kampfflugzeugen an der Militäraktion.Nach Angaben von Ministerpräsident Bülent Ecevit steht außerdem ein Kontingent von türkischen Bodentruppen in Ankara zum Einsatz bereit.

Ankara unterstützt die Entscheidung der Allianz, gegen Jugoslawien loszuschlagen.Dennoch äußerte Ecevit die Sorge, daß sich der Konflikt zu einem "Dritten Weltkrieg" ausweiten könnte.In der Öffentlichkeit wurde die Militäraktion des Westens ebenfalls begrüßt, wenn auch einige Zeitungen anmerkten, die Allianz handle reichlich spät und habe dem jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic - dem "serbischen Hitler" - sehr viel Zeit gelassen.

Einige Blätter verwiesen ausdrücklich darauf daß die Türkei Nachfolgerin des Osmanischen Reiches sei, zu dem Teile des Balkans lange gehörten.Die Türkei sehe sich als "ehemaliger Herrscher" in dem Gebiet als "Beschützer der Moslems auf dem Balkan", hieß es in der Zeitung "Sabah".





Mazedonien besorgt über Flüchtlingsstrom aus Kosovo

Skopje (Reuters) - Die Regierung Mazedoniens hat sich angesichts der Nato-Luftangriffe auf das benachbarte Jugoslawien besorgt über den Flüchtlingsstrom und die wachsende anti- amerikanische Stimmung im Land geäußert.Die beiden größten Probleme Mazedoniens seien derzeit die Flüchtlinge und die Stimmung in der Bevölkerung, die sich gegen die USA und die Nato richte, sagte Ministerpräsident Ljubco Georgievski am Donnerstag in der Hauptstadt Skopje.Wegen der bislang rund 20.000 albanischen Flüchtlinge aus dem Kosovo forderte Georgievski die USA und die Europäische Union (EU) zu Soforthilfe auf, da diese für die Flüchtlingskatastrophe verantwortlich seien.

Die 10.000 Mann starke Nato-Truppe in Mazedonien, die im Falle eines Einlenkens der jugoslawischen Führung die Umsetzung des Friedensabkommens im Kosovo überwachen soll, schütze das Land zwar vor jugoslawischen Angriffen, sagte Georgievski.Die Präsenz der Soldaten schüre aber die anti-amerikanische Stimmung in der Bevölkerung.

Rund 1500 Menschen versammelten sich vor der US-Botschaft in Skopje und protestierten gegen die Luftangriffe auf Jugoslawien, die die Nato am Mittwoch begonnen hatte, um die politische Führung Jugoslawiens zur Unterzeichnung des Kosovo-Friedensplans zu zwingen.Einige Demonstranten warfen Steine auf das Botschaftsgebäude und verbrannten eine amerikanische Flagge.Die Polizei griff nicht ein.

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