Politik : Anklage will Haft im Fall Mannesmann

Jürgen Zurheide

Düsseldorf - Die früheren Spitzenmanager der Mannesmann AG sollen ins Gefängnis. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft forderte am Mittwoch wegen besonders schwerer Untreue Haftstrafen für alle sechs Angeklagten. Der frühere Vorsitzende des Mannesmann-Aufsichtsrats, Joachim Funk, soll nach dem Willen der Ankläger für drei Jahre hinter Gitter, der ehemalige Mannesmann-Vorstandschef Klaus Esser zwei Jahre und sechs Monate. Für die anderen Angeklagten forderten die Staatsanwälte Bewährungsstrafen: zwei Jahre für den Chef der Deutschen Bank und damaligen Mannesmann-Aufsichtsrat, Josef Ackermann, und ein Jahr und zehn Monate für den früheren IG-Metall-Chef Klaus Zwickel. Vor allem mit dem ehemaligen Aufsichtsratschef Joachim Funk gingen die Ankläger hart ins Gericht. „Er setzte sich bedenkenlos über Aktienrecht hinweg“, kritisierten die Staatsanwälte und warfen Funk vor, sich selbst bereichert zu haben. Funk hatte neben einer Prämie über sechs Millionen Mark zusätzlich 5,3 Millionen an Abfindungen erhalten.

Das Urteil in dem Prozess wird Ende Juli erwartet. Die Wirtschaftsstrafkammer in Düsseldorf hat bereits durchblicken lassen, dass sie die Zahlungen für aktienrechtlich unzulässig hält und den Beteiligten pflichtwidriges Verhalten vorwirft. Das Gericht sieht aber nicht den Tatbestand der Untreue gegeben. Genau darauf beharrten aber die Staatsanwälte in ihrem Plädoyer. Sie sehen auch Esser als einen Haupttäter und nicht nur – wie das Gericht – als einen Gehilfen. „Er hat in allen Fällen erhebliche Tatbeiträge geleistet“, urteilen die Ankläger. Dem Chef der Deutschen Bank werfen sie vor, seine Pflichten erheblich verletzt zu haben. „Er war verpflichtet, sich eine Rechtsgrundlage zu erarbeiten, das hat er leichtfertig nicht gemacht“, sagen die Staatsanwälte. Beim Gewerkschafter Zwickel monieren sie das geringe Interesse an den Vorgängen bei Mannesmann. „Er hat sich, wie Ackermann, durch Gleichgültigkeit ausgezeichnet.“

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