Ann Romney : Bei aller Liebe

Mitt Romney ist offizieller Kandidat der Republikaner und zumindest seine Frau glaubt: Er ist der Richtige.

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Einer wie keiner. Ann Romney sprach mit sehr viel Pathos über ihren Mann. Foto: dapd
Einer wie keiner. Ann Romney sprach mit sehr viel Pathos über ihren Mann. Foto: dapdFoto: dapd

Als der Vorsitzende Reince Priebus den ersten Versammlungstag kurz nach 23 Uhr schließt, ist den Republikanern die Erleichterung anzumerken. Die Erleichterung, dass der Parteitag endlich in Gang gekommen ist, nachdem der Auftakt wegen Hurrikan „Isaac“ um 24 Stunden verschoben worden war. Die Erleichterung, dass die beiden Hauptredner des Eröffnungstags, Ann Romney und Chris Christie, alles in allem den richtigen Ton getroffen haben. Und die Erleichterung, dass Mitt Romney nun offiziell als Präsidentschaftskandidat nominiert ist.

Gewiss, es kam zu einigen Schönheitsfehlern. Von Begeisterung war über weite Strecken wenig zu spüren. Auch die Einigkeit hat Grenzen. Anhänger des unterlegenen Bewerbers Ron Paul lieferten sich kurzzeitig ein lautstarkes Duell mit der Mehrheit im Kongressforum. „Lasst ihn reden, lasst ihn reden!“, skandierten sie. Dann wurden sie mit „USA, USA“-Rufen übertönt. Einige widerspenstige Paul-Anhänger wurden energisch hinausgeführt.

Abends schienen sich die Kernbotschaften ein bisschen zu widersprechen. Kandidatenfrau Ann Romney betonte, dass die Liebe die wichtigste Kraft sei. Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, behauptete kurz darauf, es sei ein Fehler der Republikaner, dass sie geliebt werden wollen. Es sei viel wichtiger, den Respekt als die Zuneigung der Wähler zu erwerben. In den kleinen Ungereimtheiten spiegeln sich Schwächen des Kandidaten Romney. An den meisten Konservativen perlt solche Detailkritik ab. Sie sehnen sich nach Siegesgewissheit für den Kampf gegen Präsident Obama.

Diesen Rückhalt vermitteln zunächst einmal Rituale. Das gemeinsame Singen der Hymne, ein Gebet und dann der sogenannte „Roll Call“. Die Bundesstaaten und Territorien der USA werden nacheinander aufgerufen und verkünden die Verteilung ihrer Delegiertenstimmen. Da wird die ganze Vielfalt der Nation sichtbar. Die Texaner tragen alle ein Hemd, dessen Design der „Lone Star“-Flagge nachempfunden ist, und Cowboy-Hüte. Die Delegierten aus American Samoa und Hawaii sind in bunte Hemden gekleidet. 2061 Stimmen erhält Romney. Die abweichende Zahl ist so gering, dass die Ansagerin sie gar nicht erwähnt. Die Delegierten klatschen und erheben sich von den Sitzen. Viele schwenken blau-weiße Schilder mit der Aufschrift „Mitt“.

Mit der Vorstellung von Ann Romney als künftiger First Lady kann sich die Partei anfreunden. Das ist keine Frage nach ihrem Auftritt. Sie wirkt herzlich und warm. Und sie ist anfangs nervös. Wenn sie nach einer Pointe in das Lachen der Zuhörer einstimmt, da kiekst ihre Stimme. Das macht sie umso menschlicher. Aber kann Ann die Republikaner begeistern? Bis auf wenige Momente wirkt der Beifall für sie eher höflich als aufgeputscht. Sie spricht von ihrer Liebe zu ihrem Mann, ihrer Liebe zu Amerika und ihrer mütterlichen Liebe für ihre Kinder – alles Vokabeln, die die an Pathos gewohnten Republikaner gerne hören. Und sie verspricht: Mitt ist der Mann, den Amerika jetzt braucht, um aus der Krise zu kommen. Er wird nicht versagen. Sie kennt ihn seit 42 Jahren. „Ihr könnt ihm vertrauen!“ Das richtete sich an den rechten Flügel, wo viele argwöhnen, Romney sei gar kein richtiger Konservativer, sondern tue nur so, um gewählt zu werden.

Wie aber steht es um die Millionen Bürger im Land, die per Fernsehen zuhören? Überzeugt es sie, wenn Ann von den Sorgen spricht, wie man die Rechnungen bezahlt und ob man morgen noch einen Job hat? Amerika weiß inzwischen, dass Ann nie Geldsorgen hatte und nie arbeiten musste. Ihre Eltern waren reich, Mitt ist ein Multimillionär. Ob Anns Rede politisch etwas bewegt hat, werden erst die Umfragen der nächsten Tage zeigen.

Kaum hat sie geendet, steht Mitt neben ihr auf der Bühne. Doch der Applaus für das Paar wirkt erneut gebremst. Als Michelle Obama 2008 ihre Rede auf Barack bei den Demokraten hielt, tobte der Saal. Die Standing Ovations wollten kaum enden. Das Bild bei den Republikanern 2012 weicht auffallend ab. Die Romneys machen keine Anstalten, den Moment auszukosten und durch längeres Verweilen Hand in Hand mehr Begeisterung einzufordern. Zu den Klängen von „My Girl“ verlassen sie rasch die Bühne und setzen sich in eine Loge im Zuschauerraum.

Stimmungsmäßig müssen die Republikaner noch zulegen, wenn von diesem Parteitag Siegesgewissheit ausgehen soll.

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