Politik : Annäherung in Afghanistan

Irans Präsident Chatami besucht Karsai – und kritisiert die USA

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Von Birgit Cerha

Iranische Medien sprechen von einem „Wendepunkt“ in den Beziehungen ihres Landes zum strategisch wichtigen Nachbarn Afghanistan, dem Irans Präsident Mohammed Chatami am Dienstag den ersten offiziellen Besuch seit dem Sturz der Taliban abstattete. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Frage der Repatriierung von mehr als eineinhalb Millionen afghanischen Flüchtlingen, die seit Jahren im Iran Unterschlupf fanden. Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) wirft Teheran vor, die Flüchtlinge massiv unter Druck zu setzen. Allein in der ersten Augustwoche sahen sich deshalb rund 10 000 Afghanen gezwungen, in eine ungewisse Zukunft heimzukehren, seit April waren es bereits 157 000.

Ein weiteres Thema war die Sicherheit an der 900 Kilometer langen Grenze. Den Iranern geht es dabei vor allem um Unterstützung Kabuls bei der Unterbindung des massiven Rauschgiftschmuggels nach Iran und von dort aus nach Europa. Chatami sagte in Kabul, beide Staaten seien bestrebt, ihre Handelsbeziehungen auszubauen. In der Vorwoche hatte das Parlament in Teheran ein Hilfspaket in Höhe von 500 Millionen Dollar für den Wiederaufbau Afghanistans gebilligt.

Die Regierung Chatami steht dem Übergangsregime von Hamid Karsai grundsätzlich positiv gegenüber, repräsentiert es doch überwiegend die Nordallianz, die Teheran im Kampf gegen die Taliban unterstützt hatte. Doch die engen Bindungen Karsais an die USA trüben die Freundschaft. Chatami machte daraus keinen Hehl: Gleich nach seiner Ankunft warf er den USA vor, seit dem 11. September eine „Außenpolitik des Zornes“ zu führen. Mit Blick auf US-Kriegspläne gegen den Irak warnte Chatami, Aggressionen brächten nur neue Aggressionen hervor.

Die militärische Präsenz der Amerikaner in Afghanistan erfüllt die Iraner vor allem deshalb mit tiefem Unbehagen, weil Washington Teheran als Teil einer „Achse des Bösen“ betrachtet. Konservative Rivalen Chatamis zeigen indes offen ihren Ärger über den „Lakaien des großen Satan“, Karsai, und die US-Militärpräsenz, insbesondere auch in der Grenzprovinz Herat. Aus diesen Quellen könnten Waffen und Gelder an enttäuschte Warlords fließen, die von der Macht in Kabul gegenwärtig ausgeschlossen sind.

Im ostafghanischen Dschalalabad wurden in der Nacht zum Dienstag beim Angriff auf ein Haus ein Mann und seine vier Töchter getötet. Auf einen US-Stützpunkt in Khost wurden am Dienstag drei Raketen abgefeuert.

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