Annäherung in Syrien : Damaskus zeigt laut Moskau erstmals Gesprächsbereitschaft

30.01.2012 14:59 Uhr
  • Damaskus, am 10. Mai 2012: Die syrische Hauptstadt erlebt eine neue Welle der Gewalt. Die Explosion vor einem berüchtigten Foltergefängnis hat einen tiefen Krater in die Straße... - Foto: Reuters
  • Die Regierung spricht von einem Selbstmordanschlag. Kurz zuvor explodierte ein zweiter, kleinerer Sprengsatz. - Foto: AFP
  • 70 Menschen wurden nach offiziellen Angaben getötet. Die meisten Opfer seien Angehörige der Sicherheitskräfte. Bisher hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt. - Foto: AFP

Update In Syrien zeichnen sich Annäherungsversuche zwischen Regierung und Opposition ab. Nach Angaben Russlands, einem der letzten Verbündeten das Assad-Regimes, ist die Führung bereit zu Gesprächen.

Die syrische Führung ist nach Angaben Russlands zu informellen Gesprächen mit Oppositionsvertretern bereit. Das Angebot der russischen Regierung, solche Gespräche zur Beilegung der syrischen Krise in Moskau abzuhalten, sei von Damaskus positiv beantwortet worden, erklärte das Außenministerium in Moskau am Montag. Es werde nun erwartet, dass auch die Opposition „in den kommenden Tagen“ zustimme.

In Syrien haben sich die Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad zu einem bewaffneten Kampf verschärft. Auf Seiten der Opposition kämpfen zahlreiche desertierte Soldaten. Die Regierungsgegner sind allerdings organisatorisch zersplittert und politisch uneinig.

Die Vereinten Nationen (UN) stehen zunehmend unter Druck, der eskalierenden Gewalt in dem Land Einhalt zu bieten. Dagegen sperren sich aber Russland und China, die ein Veto-Recht im UN-Sicherheitsrat haben.

Für das Assad-Regime wird es im eigenen Land offenbar eng. Angeblich wollte die Familie des Präsidenten schon fliehen. Kurz vor der Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu Syrien ist der Aufstand gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad immer näher an die Hauptstadt Damaskus herangerückt. Nur noch wenige Kilometer von dem Stadtzentrum entfernt gab es nach Angaben von Augenzeugen in der Nacht zum Montag heftige Gefechte zwischen Regierungstruppen und Deserteuren. Unbestätigten Gerüchten zufolge versuchten Assads Frau und ihre Söhnen das Land zu verlassen - und wurden daran gehindert. Beobachter befürchten einen Bürgerkrieg.

Die von Deserteuren gegründete „Freie Syrische Armee“ hatte nach eigenen Angaben am Sonntag einzelne Bezirke am Stadtrand von Damaskus unter ihre Kontrolle gebracht. Sie musste sich aber später nach Angriffen von Regimesoldaten wieder zurückziehen. In der Nacht wurden Kämpfe aus Gebieten nur acht Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt entfernt gemeldet. Am Morgen hatte die Regierung schließlich loyale Einheiten in den Vororten stationiert. Mindestens 16 Menschen kamen laut Aktivisten bei den Kämpfen ums Leben, auch in den Protesthochburgen Homs, Hama und Idlib gab es wieder Tote.

Die Straße zum internationalen Flughafen von Damaskus sei ebenfalls vorübergehend blockiert gewesen, als Mitglieder des syrischen Geheimdienstes zur Opposition überliefen. Unbestätigten Gerüchten zufolge sollen einige Familienmitglieder Assads an einem Versuch gehindert worden sein, das Land zu verlassen. Die ägyptische Tageszeitung „Al-Masry Al-Youm“ (Montag) berichtete unter Berufung auf syrische Quellen, dass es sich dabei um die Frau, die Mutter, die Söhne und einen Cousin des Präsidenten gehandelt habe. Regimesoldaten hätten anschließend zur Vergeltung 17 Verwandte eines führenden Deserteurs aus dem syrischen Geheimdienst getötet, hieß es.

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