Politik : Annan beginnt seine Mission in Irak "ziemlich optimistisch"

UNO-Generalsekretär möchte Paket zu Lösung schnüren / US-Außenministerin Albright warnt vor "fauler Lösung" BAGDAD (dpa/AP/rtr).Mit der Ankunft von UNO-Generalsekretär Kofi Annan in Bagdad sind am Freitag die Bemühungen um eine Beilegung der Irak-Krise in ihre entscheidende Phase getreten.Seine Verhandlungen mit der irakischen Führung am Wochenende gelten als "letzter Versuch", einen US-Militärschlag abzuwenden.Annan hofft nach eigenen Worten, in Bagdad ein Paket schnüren zu können, das für alle akzeptabel ist.Bundeskanzler Kohl äußerte sich skeptisch zu den Chancen der Verhandlungen.Der Chef der UNO-Inspektionsteams, Butler, erklärte unterdessen, Saddam Hussein sei in der Lage, 180 Tonnen des tödlichen Nervengases VX zu produzieren. Annan sagte bei seiner Ankunft in Bagdad, er sei "ziemlich optimistisch" und hoffe, "daß wir einen Ausweg aus dieser Krise finden werden".Er habe als Generalsekretär der Vereinten Nationen die "moralische Verpflichtung" zu dieser "sehr wichtigen Mission".Der irakische Vizepremier Aziz äußerte, er teile den Optimismus Annans.Irak wolle eine "friedliche, ausgewogene und faire Lösung" des Streits um den freien Zugang der UNO-Kontrolleure zu mutmaßlichen Waffendepots.Dabei müßten die "Würde und Sicherheit Iraks" berücksichtigt werden.Zuvor war verlautet, Annan wolle von Irak eine schriftliche Zusicherung erwirken, daß die UNO-Experten alle von ihnen gewünschten Anlagen untersuchen dürfen.Frankreich forderte, die USA müßten eine mögliche Einigung zwischen Annan und der irakischen Führung akzeptieren. Die EU unterstützt die Mission Annans voll.In einer Erklärung der britischen Ratspräsidentschaft hieß es, eine diplomatische Lösung sei noch immer möglich, wenn Irak Zugeständnisse mache. US-Außenministerin Albright erklärte, die USA würden keine "faule Lösung" akzeptieren.Eine machtlose UNSCOM, "die blind ist und deren Hände auf dem Rücken festgebunden sind, wäre eine faule Lösung".Die US-Regierung werde vor weiteren Schritten die Rückkehr von Annan abwarten. Irakische Sicherheitskräfte sollen nach einem Zeitungsbericht aus Kuwait zwei UNO-Mitarbeiter verprügelt und ihr Auto beschlagnahmt haben.Ein italienischer und ein polnischer UNO-Mitarbeiter seien am Donnerstag an der Grenze zu Kuwait abgefangen und nach Prügel gezwungen worden, die Grenze zu Fuß zu überqueren.Ein UNO-Sprecher bestätigte lediglich, daß "etwas in der Art" geschehen sei. Ungeachtet des drohenden Kriegs geht das Leben in Bagdad seinen gewohnten Gang.Nichts deutete am Freitag auf Unruhe oder gar Panik hin. Die Vereinigten Arabischen Emirate warnten die USA vor einem Angriff auf Irak.Dies könnte den Beziehungen zwischen Ost und West schaden, sagte Präsident Scheich Nahajanan.Auch der frühere US-Präsident Carter riet von einem Angriff ab.Wenn Irak tatsächlich über biologische und chemische Waffen verfüge, könnte ein Militärschlag verheerende Folgen für die Menschen in der Region haben.

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