Annapolis-Konferenz : Toter bei Unruhen in Hebron

Die Nahost-Friedenskonferenz von Annapolis hat in den Palästinensergebieten wütende Proteste ausgelöst und islamistische und linksradikale Kräfte im Nahen Osten auf den Plan gerufen.

Damaskus/Gaza/Tel AvivIm Gaza-Streifen und im Westjordland gingen mehrere tausend Palästinenser auf die Straße. Ein Demonstrant starb, als palästinensische Polizisten in der Stadt Hebron einen Protestzug auflösten. Der Iran hat Vertreter der radikalen Palästinenser- Fraktionen zu einer "Anti-Annapolis-Konferenz" nach Teheran eingeladen.

Unklar blieb der Termin für das Treffen. Ein Regierungssprecher in Teheran erklärte, die Gegenkonferenz sei für die kommenden Tage geplant. Bei den Palästinenserorganisationen in Damaskus hieß es, alle zehn eingeladenen Fraktionen wollten an der Tagung an diesem Mittwoch teilnehmen. Die iranische Führung habe offensichtlich auch deshalb zu dem Treffen eingeladen, weil sie über die Teilnahme ihres Verbündeten Syrien an der Konferenz in den USA verärgert sei. Der Iran hatte die arabischen Staaten, die bis auf den Irak alle der Einladung Bushs gefolgt sind, aufgefordert, nicht an der Konferenz teilzunehmen. Ursprünglich hatte die syrische Regierung eine Gegenkonferenz in Damaskus angekündigt.

Polizei greift mit Gummiknüppeln ein

Gegen die rund 100 Demonstranten in Hebron setzten palästinensische Polizisten nach Augenzeugenberichten auch Gummiknüppel ein. Im nördlich gelegenen Ramallah versuchte die Polizei mit Tränengas und Schüssen in die Luft eine Demonstration aufzulösen. Die Palästinenserführung hatte alle Demonstrationen im Zusammenhang mit der Annapolis-Konferenz untersagt.

Im Gazastreifen demonstrierten tausende Anhänger der radikalislamischen Hamas-Organisation gegen die Annapolis-Konferenz. Sie forderten Palästinenserpräsident Mahmud Abbas auf, keinerlei Kompromisse einzugehen. Die Hamas und die militante Organisation Islamischer Dschihad verurteilten das Treffen in Annapolis scharf. Der Hamas-Führer und von Abbas entlassene Ministerpräsident Ismail Hanija lehnte in einer Fernsehansprache nochmals jede direkte oder indirekte Normalisierung im Verhältnis zu Israel ab. (mit dpa)

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