Anne Balzer : Ein Prinz zum Anfassen

Einmal Prinz Harry zu treffen, das hätte ich mir nie erträumt. Doch auf der Einladung zum Empfang „Countdown to London 2012. Taking Part Inspiring Others“ steht es schwarz auf weiß! Prinz Harry von Wales wird ebenfalls in der Britischen Botschaft anwesend sein.
Am vergangen Samstag ist es endlich soweit. Viele interessante Leute sind in der Botschaft versammelt. Aber da fehlt doch noch jemand! Einer der berühmtesten Rotschöpfe kommt ganz heimlich die Treppe hinauf. Ich freue mich Henry Charles Albert David Mountbatten-Windsor, oder besser Prinz Harry, von weitem erspäht zu haben. Doch zu meiner Überraschung besucht der jüngste Sohn von Prinz Charles jeden einzelnen Tisch!

Oje, wie redet man ihn denn an? Eure Königliche Hoheit? Muss ich mich verbeugen, einen Knicks machen oder warten, bis ich angesprochen werde? Doch bald wird klar „Prinz Harry“ reicht als Anrede vollkommen aus, bei einem Knicks wäre er verwunderter als wir und er ist einfach nur da, um mit uns zu reden! Die „Paralympics Zeitung“ wartet am letzten Tisch. Immer mal wieder schaue ich, ganz unauffällig natürlich, wie weit er sich denn vorgearbeitet hat. Langsam rückt er von Tisch acht zu Nummer neun, immer näher. Gleich ist er da, das „Enfant Terrible“ der britischen Königsfamilie. Und mir wird klar, eigentlich ist er doch auch nur ein ganz „normaler“ sechsundzwanzigjähriger. Aber trotzdem, ich bin neugierig! Wie wird er wohl sein? Gestresst, interessiert, höflich, arrogant? Wann trifft man schon einmal einen echten Prinzen?
Auf einmal ist er gekommen, der große Moment. Prinz Harry hat unseren Tisch erreicht. Er nimmt sich Zeit, lächelt und schüttelt alle Hände. Gott, er hat mich berührt! Ich habe gerade Prinz Harry die Hand geschüttelt. Unglaublich! Das kann ich noch meinen Enkelkindern erzählen. Doch ich muss mich konzentrieren. Er fragt nach unseren Erlebnissen während der Paralympischen Spiele in Vancouver, wie oft unsere Zeitung erschienen ist, wie lange wir in Kanada sein konnten. Was es da alles zu erzählen gibt, wo sollen wir nur anfangen? Könnte er nicht ein kleines bisschen lauter reden? Seine Worte kommen bei mir nur zur Hälfte an. Natürlich erwähnen wir auch, dass es 2012 wieder eine Schülerredaktion und die „Paralympics Zeitung“ geben wird. Ich habe wirklich das Gefühl, dass er begeistert ist und sich einhundertprozentig für uns interessiert.

Auf einmal fragt er, wie denn unsere Eishockeymannschaft abgeschnitten habe. Nach kurzem Überlegen müssen wir ihm leider gestehen, dass sich das deutsche Team gar nicht qualifiziert hat. Doch dieser kleine Fauxpas lockert die Situation auf. Herzlich fängt er an über seinen Fehler zu lachen. Ein Prinz mit Humor! Und, wer ist schon allwissend? Wie er da so steht, in seinem blauen Anzug, mit rotem Haar, lachend, mit blitzenden Augen, ist er doch wirklich nur ein ganz normaler junger Mann! Wir drücken ihm noch ein Exemplar der „Paralympics Zeitung“ in die Hand, lächeln und nicken und freuen uns einen solchen Moment erlebt zu haben.

Da ist es auch schon Zeit für ein Gruppenfoto. Jeder möchte natürlich am liebsten neben der „königlichen Hoheit“ stehen. Aber auch Prinz Harry kann sich nicht vierteilen, und so müssen wir uns mit unseren erkämpften Plätzen zufrieden geben. Das Lachen auf den Gesichtern wird für einen Moment noch breiter, die Kamera drückt ab, und dann löst sich die Gruppe auch schon auf. Prinz Harry winkt noch einmal, dreht sich um, und ist wieder verschwunden. Auf dem Weg zu seinem nächsten Termin, auf dem Weg neue Menschen zu treffen, die sich auf ihn freuen.

Ein Paar Stunden später schalte ich den Fernseher ein, und erlebe wie er den Ehrenpreis von „Ein Herz für Kinder“ verliehen bekommt. Das ist ein ganz anderer, viel ernsterer Harry. Aber trotzdem ein junger, sympathischer Mann- der ganz nebenbei noch ein Prinz ist.

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